Von Daniel Brössler, Rostock

Am Ende steht der Kompromiss: 2013 könnte Rot-Rot-Grün eine Option im Bund sein. Doch jetzt ist erst einmal Opposition angesagt und die Festlegung, was die Partei alles nicht sein will.

Trotz scharfer Opposition gegen die schwarz-gelbe Regierung wollen die Grünen künftig nicht als Teil eines linken Lagers wahrgenommen werden. "Es gibt keine Koalition in der Opposition - es gibt Konkurrenz und manchmal Kooperation", heißt es in einem Beschluss eines Parteitags der Grünen am Wochenende in Rostock. Befürworter einer deutlichen Öffnung bis hin zu Jamaika-Koalitionen mit CDU/CSU und FDP im Bund konnten sich allerdings nicht durchsetzen.

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Auf dem Grünen-Parteitag ist man sich einig: "Es gibt keine Koalition in der Opposition." (© Foto: dpa)

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Der in einem Kompromiss zwischen verschiedenen Strömungen in der Partei ausgehandelte Beschluss trifft keine Festlegungen für die Bundestagswahl in vier Jahren, erwähnt aber ausdrücklich nur eine denkbare Konstellation für eine grüne Regierungsbeteiligung: "Rot-Rot-Grün kann 2013 für uns eine mögliche Option sein, wenn die Linkspartei bis dahin regierungsfähig wird." Bei der Bundestagswahl hatten die Grünen mit 10,7 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis erzielt, blieben aber kleinste Fraktion im Parlament.

In der Debatte über die künftige Oppositionsarbeit wurden in Rostock höchst unterschiedliche Positionen zum politischen Standort der Grünen erkennbar. Parteichefin Claudia Roth beschrieb die Grünen als "modern links". Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, appellierte, die Grünen müssten ihre Anhänger verstärkt "in der Mitte der Gesellschaft" finden. In ihrem Parteitagsbeschluss definieren sich die Grünen nun als "ökologische, soziale, progressive und emanzipatorische Kraft für die linke Mitte".

Gescheitert ist ein Vorstoß der grünen Fraktionschefs aus den Landtagen, auch Bündnissen mit Union und FDP grundsätzlich offen gegenüberzustehen. Wegen schlechter Erfolgsaussichten zogen sie einen Antrag zurück, in dem sie es als "fahrlässig" bezeichneten, "ohne handfeste und in Verhandlungen ausgelotete Erkenntnisse von vornherein auf grüne Regierungsbeteiligungen zu verzichten".

Durchsetzen konnte sich der Vorstand nach einer kontroversen Debatte mit seiner Linie in der Afghanistan-Politik. "Ein vernünftiger Abzug braucht Zeit", sagte Parteichefin Claudia Roth zur Forderung nach einem sofortigen Ende des Militäreinsatzes in Afghanistan. Wie von der Parteiführung empfohlen, forderten die Grünen nun lediglich eine "Abzugsperspektive mit einem konkreten Abzugsplan".

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(SZ vom 26.10.2009/bica)