Grüne Urwahl "Das ist Demokratie!"

Göring-Eckardt ist die überraschende Siegerin der Urwahl. Glückwünsche zur Wahl kamen auch von der unterlegenen Parteichefin Claudia Roth.

Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Fraktionschef Jürgen Trittin sind die Spitzenkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl 2013. Das ist das klare Ergebnis der Urwahl durch die Parteimitglieder, wie Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke am Samstag in Berlin bekanntgab. Einen Dämpfer erteilte die Basis Parteichefin Claudia Roth, die nur 26,2 Prozent der Stimmen erhielt.

Roth zeigte sich als gute Verliererin. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb sie: "Ich gratuliere von Herzen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt. Das ist Demokratie!" Die Parteivorsitzende hatte im Frühjahr als erste ihren Hut für eine Kandidatur in den Ring geworfen. Bundesgeschäftsführerin Lemke konnte nicht sagen, ob Roth beim Parteitag in einer Woche in Hannover nun wie geplant erneut als Parteichefin antreten wird.

Das neue Spitzenduo der Grünen will im Bundestagswahlkampf breite Wählerschichten ansprechen. Katrin Göring-Eckardt sagte vor Journalisten in Berlin, die jüngsten Erfolge der Grünen in Baden-Württemberg zeigten, "dass die bürgerliche Mitte eine bessere Gesellschaft will". Die Grünen wollten einen Kurs einschlagen, "der für Zusammenhalt steht".

Der ebenfalls durch die Urwahl als Spitzenkandidat nominierte Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, die Partei müsse das gesamte Spektrum an Themen abbilden. Beide Kandidaten machten deutlich, dass sie nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr die Ablösung von Schwarz-Gelb durch eine rot-grüne Koalition anstreben. Es gehe um "Grün oder Merkel", sagte Göring-Eckardt. "Deutschland braucht einen Kurswechsel", betonte Trittin. "Wir wollen einen grünen Wandel."

Göring-Eckardt betonte, dass sie weiterhin Bundestags-Vizepräsidentin bleiben möchte. Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Birgit Homburger hat Göring-Eckardt zum Verzicht auf das Amt aufgefordert. "Das ist ein Gebot der notwendigen Überparteilichkeit bei der Sitzungsleitung im Parlament", erklärte die FDP-Politikerin. Ihr Amt als Präses der EKD-Synode wird Göring-Eckardt jedoch ruhen lassen.

"Heute ist ein guter Tag für Rot-Grün"

Bei der Urwahl erreichte Trittin 71,9 Prozent der gültigen 35.065 Stimmen, Göring-Eckardt 47,3 Prozent. Rund 62 Prozent der knapp 60.000 Mitglieder hatten sich beteiligt. Sie konnten bis zu zwei Stimmen abgeben. Roth, die sich auch beworben hatte, erhielt nur 26,2 Prozent. Mitbewerberin Renate Künast bekam 38,6 Prozent.

Beworben hatten sich insgesamt 15 Kandidaten. Auch elf zuvor unbekannte Grünen-Mitglieder hatten sich zur Wahl gestellt. Sie erhielten zwischen 0,3 und 2,4 Prozent. Grünen-Bundesgeschäftsführerin Lemke sagte, sie sei selbst überrascht von dem Ergebnis gewesen.

"Das Wahlergebnis war nicht das, was ich als wahrscheinlichstes vermutet hatte." Zwar hatte sich niemand eine Prognose zugetraut, doch galten intern die Varianten Trittin/Roth und Trittin/Künast als recht wahrscheinlich. Göring-Eckardt hatte im Sommer monatelang abgewartet, ob sie überhaupt bei einer Urwahl antreten würde.

Bei der SPD stieß das Resultat auf große Zustimmung. "Das ist eine gute Wahl", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann. "Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin sind klasse Redner und gute Wahlkämpfer. Damit sind wir der Ablösung von Schwarz-Gelb einen großen Schritt näher gekommen." Er freue sich schon jetzt auf die Rededuelle mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, Jürgen Trittin und Kanzlerin Angela Merkel. "Heute ist ein guter Tag für Rot-Grün."