Von Stefan Kornelius

Einige Prominente wollen nichts weniger als die großen Menschheitsprobleme lösen. Bill Clinton gewährt nun einen seltenen Einblick in das Gewerbe der Mega-Philanthropen.

Wenn Bill Clinton in diesen Tagen gefragt wird, was genau ihn denn so reize an seinem neuen Beruf, dann antwortet er mit der größten Selbstverständlichkeit: "I am in the doing business, now" - ich bin jetzt im Geschäft der Macher. Denn vorher, so der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, da habe er Stunden an Konferenztischen verbracht und um Worte gerungen.

Bild vergrößern

Super-prominenter Mega-Philanthrop: Bill Clinton. (© Foto: AP)

Anzeige

Wirklich bewirkt habe er da wenig. Der Mann, der mal eben Raketenangriffe auf Islamisten-Lager im Sudan befehlen konnte oder ein Heer von Diplomaten in aller Welt kommandierte, dieser Mann sieht sich jetzt erst als Macher. Geld macht unabhängig - und mächtig.

Bill Clinton ist wohl der prominenteste Vertreter der neuen Kaste der Weltenretter - unabhängiger Super-Prominenter, die kraft ihrer Berühmtheit und ihrer politischen Autorität nicht weniger als die großen Menschheitsprobleme lösen wollen: Aids, Hunger, Kinderarmut, Klima.

Mitglieder im Club sind Clintons ehemaliger Stellvertreter Al Gore, der frühere britische Premier Tony Blair, eine Gruppe von Managern und Unternehmern wie Bill Gates, George Soros, John Wood oder der Ebay-Gründer Jeff Skoll. Überall auf der Welt tauchten vor wenigen Jahren plötzlich Finanziers und Börsengewinnler auf, die sich ein Mäntelchen der Wohltätigkeit umhängten. Nach den Motiven wurde zuletzt gefragt.

Clinton gibt nun einen seltenen Einblick in das Gewerbe der Mega-Philanthropen, weil ihn die politische Karriere seiner Frau zu Offenheit zwingt. Hillary Clinton muss darlegen, dass es zwischen ihrem neuen Job als US-Außenministerin und ihrer Rolle als Gattin des Ein-Mann-Unternehmens Bill Clinton zu keinen Interessenskonflikten kommt. Eine Kollision wäre etwa gegeben, wenn Clinton von ausländischen Staaten oder dubiosen Wirtschaftsmogulen finanziert würde, die sich im Gegenzug für ihr gutes Geld Nähe und Zugang zum Clinton-Clan erkaufen.

Genau das ist nun Hillary Clintons Problem: Die Offenbarungen ihres Mannes rechtzeitig vor der ersten Senatsanhörung zur Bestätigung der designierten Außenministerin sind einerseits ungewöhnlich detailliert und zeugen vom Kooperationswillen des ehemaligen Präsidenten. Andererseits legen sie ein Beziehungsgeflecht offen, das viele Fragen aufwirft: 75 bis 165 Millionen Dollar an Spendengeldern stammen allein von ausländischen Regierungen oder regierungsnahen Institutionen. Und besonders die Staaten der arabischen Halbinsel scheinen die Nähe zum ehemaligen Präsidenten zu suchen und unterstützen seine wohltätigen Zwecke.

Unter den mehr als 200.000 Spendernamen, die inzwischen in Internet-Datenbanken genau zu studieren sind, finden sich auch dubiose Figuren. Kim Seung-youn, ein wegen Korruption verurteilter südkoreanischer Unternehmer, erschien an der Seite Clintons in Seoul. Kurz darauf spendete seine Firma eine Million Dollar.

Clinton pflegt außerdem Kontakte zum Finanzier Frank Giustra, der im Minen- und Rohstoffgeschäft aktiv ist. Offenbar fungierte Clinton als Türöffner beim kasachischen Präsidenten, wo es um ein Uranprojekt ging. Die Clinton-Stiftung profitierte davon und bekam bis zu 25 Millionen Dollar. Und selbst die umstrittene Sicherheitsfirma Blackwater gab der Organisation ein wenig Geld.

Das Beispiel Bill Gates

Mehr als 500 Millionen Dollar hat die Clinton Stiftung seit ihrer Gründung im Jahr 1997 gesammelt, Geld, das für den Bau der Präsidentschafts-Bibliothek verwendet wurde, vor allem aber für wohltätige Zwecke ausgegeben wird. Dafür sorgt ein Stab von inzwischen 600 Mitarbeitern in New York und Arkansas. Der Chef reist unterdessen um die Welt, spricht über die großen Erdenprobleme und sammelt Schecks auf Wohltätigkeits-Dinners - und Kontakte. Die Clinton-Stiftung ist die wohl beste Vernetzungs-Agentur hochmögender Menschen aus der ganzen Welt.

Und Bill Clinton ist der Prototyp des Ein-Mann-Weltenretters, weil er Macht mit Eloquenz und Charisma verbindet. Sein Berufsweg über das Weiße Haus ließ ihm fast keine andere Möglichkeit als ein politisches Engagement. Was macht ein Ex-Präsident, der mit nur 54 Jahren den Zenit seiner Macht durchschritten hat? Er katapultiert sich in eine neue Dimension globaler Unentbehrlichkeit.

Welchen Einfluss die Weltenretter haben, zeigt das Beispiel Bill Gates: Der Microsoft-Gründer gibt weltweit mehr Geld aus für die Gesundheitsvorsorge als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(SZ vom 20.12.2008/woja)