Die früheren Rüstungsgegner Blair und Brown wollen dem Terrorismus mit nuklearer Abschreckung begegnen. Und Kritikern beweisen, dass der neue Premierminister in spe kein Linksradikaler ist.
Großbritannien wird seine veraltete Nuklearstreitmacht modernisieren und dazu das auf U-Booten stationierte Trident-Raketensystem ersetzen, das spätestens 2024 außer Dienst gestellt werden muss. Eine entsprechende Entscheidung gab Schatzkanzler Gordon Brown bekannt, der vermutlich Mitte kommenden Jahres Tony Blair als Premierminister nachfolgen soll.
Die britischen Atom-U-Boote des Typs "Trident" sollen ersetzt werden. (© Foto: dpa)
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Die Ankündigung hat bereits lebhafte Proteste des linken Flügels der regierenden Labour Party hervorgerufen.
Die Modernisierung des britischen Atomarsenals war umstritten, seitdem Premierministerin Margaret Thatcher in den achtziger Jahren das Polaris-System ausmusterte und durch Trident ersetzte. In Großbritannien und hier vor allem in der Labour-Partei gibt es eine starke Tradition von Rüstungsgegnern, die sich in der Campaign for Nuclear Disarmament (Kampagne für nukleare Abrüstung) zusammengefunden hatte.
Auch Blair und Brown bekannten sich als junge Abgeordnete einst zu dem Ziel, dass London seine Atomraketen einseitig verschrottet.
Kosten in Milliardenhöhe
Schatzkanzler Brown versteckte seine Ankündigung in einer im Wesentlichen Wirtschaftsfragen gewidmeten Rede in der City of London. "Unsere Verteidigungskraft muss stark sein, um den Terrorismus zu bekämpfen, die Nato aufrechtzuerhalten, unsere Streitkräfte daheim und im Ausland zu unterstützen, und um unsere unabhängige nukleare Abschreckungsmacht zu behalten", sagte Brown. Dazu müssten "alle notwendigen langfristigen Entscheidungen" getroffen werden, fügte er hinzu.
Die Kosten für ein neues Nuklearsystem können nach Ansicht von Experten bis zu 25 Milliarden Pfund (37 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2025 verschlingen.
Doch Brown, der als Schatzkanzler für den Haushalt verantwortlich ist, hat klar gemacht, dass er zu dieser Ausgabe bereit ist. "Gordon hat keinen Zweifel: Wenn die militärische Führung einen vollständigen Ersatz für Trident empfiehlt, dann müssen wir das liefern", zitierte die Financial Times einen ungenannten engen Vertrauten Browns.
Brodeln in der Labour-Partei
Mit seiner Ankündigung hat der designierte Premierminister zudem jene Beobachter Lügen gestraft, die annahmen, dass Labour unter seiner Führung die politische Mitte verlassen und abermals auf einen eher linken Kurs einschwenken könnte.
Diese Ansicht war von Gefolgsleuten Blairs verbreitet worden, die eine Übergabe der Amtsgeschäfte an den Schatzkanzler hinauszuzögern oder zu verhindern suchten. Auch die oppositionellen Konservativen konzentrieren sich darauf, Brown als linksradikalen Reformgegner zu porträtieren.
Im Londoner Unterhaus wollen rund hundert Labour-Abgeordnete eine Modernisierung der britischen Atomstreitmacht mit allen Mitteln verhindern. Einer ihrer Sprecher ist der Abgeordnete Gordon Prentice, der Brown warnend darauf hinwies, dass seine Haltung in der Rüstungsfrage seine Wahl zum Nachfolger Blairs gefährden könnte.
"Gordon Brown hat das Recht, diese Position zu vertreten", erklärte Prentice. "Aber ich werde nicht für einen Kandidaten stimmen, dessen Position der meinigen diametral entgegengesetzt ist."
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(SZ vom 23.6.2006)