Spitzel zu spielen ist nicht die feine englische Art. Das soll sich jetzt ändern, findet der Sicherheitsberater des Premierministers. Die Briten sollen "weniger britisch" sein, und mit Informationen den Kampf gegen den Terrorismus unterstützen.

Zwei Jahre nach den folgenschweren Bombenanschlägen in der Londoner U-Bahn betonte die britische Regierung die Notwendigkeit eines noch lange dauernden Kampfes gegen den Terrorismus.

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Muslimische Gruppen organisierten nach dem Anschlag in Glasgow eine Demonstration gegen Terrorismus. (© Foto: Reuters)

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Dabei müssten die Briten sich künftig auch "ein wenig unbritisch" verhalten und Verdächtige der Polizei melden, sagte der neue Sicherheitsbeauftragte der Regierung, Admiral Sir Alan West, der Zeitung Sunday Telegraph. Die muslimische Gemeinde bezeichnete es als "islamische Pflicht", mit der Polizei zusammen zu arbeiten.

Besonders wichtig, erklärte West, sei neben dem Schutz der Bevölkerung und der Verfolgung von Tätern, dass die Radikalisierung junger Muslime in der britischen Gesellschaft rechtzeitig unterbunden werde. Der Kampf gegen den Terrorismus sei nicht schnell zu gewinnen.

"Ich glaube, es wird zehn bis 15 Jahre dauern. Aber ich denke, es kann geschafft werden, solange wir als Nation all unsere Kräfte darauf konzentrieren", sagte der frühere Chef der Marine.

Das Interview wurde einen Tag nach dem offiziellen Gedenken an die Opfer der Selbstmordanschläge in drei Londoner U-Bahnen und einem Bus am 7. Juli 2005 veröffentlicht. Zur Erinnerung an die 52 bei den Anschlägen getöteten Menschen legten Angehörige, Freunde und Regierungsvertreter Kränze und Blumen nieder. Auch Premierminister Brown nahm an der Veranstaltung teil, die kurz vor 9 Uhr Ortszeit am Bahnhof King's Cross begann. Um diese Uhrzeit hatte sich an jenem 7. Juli der erste von vier so genannten Rucksackbombern in die Luft gesprengt.

Ein Richter in London bestätigte unterdessen die Anklageerhebung gegen den irakischen Arzt Bilal Abdullah wegen des fehlgeschlagenen Autobombenanschlags am Flughafen von Glasgow am Samstag vor einer Woche.

Der Mann war nach Angaben der Polizei zusammen mit einem Komplizen am 30. Juni in einem brennenden Geländewagen, in dem sich ein Sprengsatz befand, gegen den Eingang der Empfangshalle des Airports gerast. Zudem soll der Iraker mit Unterstützung anderer Terroristen zwei Autobomben in London platziert haben, die allerdings nicht explodierten. Die sieben andere Verdächtigen befinden sich in Polizeigewahrsam.

Derweil rief die Dachorganisation muslimischer Gemeinden und Organisationen in Großbritannien alle Muslime zur Unterstützung der Polizei beim Kampf gegen den Terrorismus auf. "Wir haben Einigung darüber erzielt, dass eine islamische Pflicht ist, mit der Polizei zu kooperieren, um die Sicherheit britischer Bürger zu gewährleisten - muslimischer ebenso wie nicht-muslimischer", sagte ein Sprecher des Muslim Council of Britain.

Die Boulevardzeitung News of the World berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Zahl extremistischer Zellen in Großbritannien immer weiter zunehme. Derzeit habe der Geheimdienst MI5 Erkenntnisse über 219 solcher Gruppen.

"Das Frustrierende ist, dass wir sie nicht alle unter Beobachtung halten können", zitierte das Blatt einen nicht näher bezeichneten Sicherheitsbeamten. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen durch das Netz schlüpft und wir den nächsten versuchten Bombenanschlag haben."

Wie die Sunday Times berichtet, waren die geplanten Anschläge in London und Glasgow möglicherweise als eine "Abschiedsbotschaft" für den kurz zuvor aus dem Amt geschiedenen Premierminister Tony Blair gedacht. Dies gehe aus Erkenntnissen des Anti-Terrorismus-Kommando SO15 von Scotland Yard über die Kommunikation eines der acht festgenommenen Verdächtigen mit Führern des Terrornetzwerkes al-Qaida im Irak hervor.

Wegen der Terrorgefahr wurden am Wochenende eine Reihe von Großveranstaltungen in London durch massive Sicherheitsvorkehrungen und den Einsatz tausender Polizisten geschützt. Dazu gehörten das Live-Earth-Konzert im Wembley-Stadion, das Finale des Tennisturniers in Wimbledon und der Start der Tour de France.

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(dpa)