Ein Kommentar von Wolfgang Koydl

Es gibt ein Leben nach dem politischen Tod: Der britische Premierminister ist zwar auf ganzer Linie gescheitert, seine Parteifreunde geben ihm aber noch eine Chance - aus reinem Machterhalt.

Zeit seines Lebens - und über seinen Tod hinaus - war er ein umstrittener Politiker. Aber eine Erkenntnis, zu welcher der Brite Enoch Powell im Laufe seiner langen Laufbahn als Parlamentarier gelangte, steht außer Zweifel: "Jede politische Karriere", so hatte der konservative Politiker beobachtet und mit Beispielen von Winston Churchill bis Margaret Thatcher belegt, "endet im Scheitern."

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Dass Gordon Brown als britischer Premier gescheitert ist, sagen inzwischen sogar enge Weggefährten. (© Foto: Reuters)

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Jede also, und bislang doch nicht die von Gordon Brown. Denn der späte Nachfolger jener beiden großen britischen Premierminister hat es offensichtlich darauf abgesehen, Powells Weisheit Lügen zu strafen. Er mag zwar schon jetzt auf ganzer Linie gescheitert sein, aber er will dennoch den Nachweis antreten, dass es ein Leben nach dem politischen Tod gibt.

Dass Brown gescheitert ist, geben sogar enge Weggefährten zu. Als Schatzkanzler hatte er tatkräftig mitgeholfen, die Grundlagen für die weltweite Finanzkrise zu legen. Als Regierungschef hat er vom ersten Tag an Führungs- und Entscheidungskraft sowie, ganz allgemein, auch menschliche Qualitäten vermissen lassen.

Sogar die Guardian-Kolumnistin Polly Toynbee, treueste aller treuen Labour-Sympathisanten, fragte jüngst, einerseits enttäuscht, andererseits entnervt, wo denn die Visionen blieben, die Gordon Brown vor 18 Monaten versprochen habe.

Das fragen sich auch dessen Parteifreunde am Kabinettstisch und in der Fraktion. Dennoch haben sie ihm eine neue - die wievielte eigentlich? - Chance gegeben. Was sie antreibt, ist jedoch weder Kalkül noch die Hoffnung auf eine Wende. Es ist nackter Machterhalt - so lange es irgend geht. Dies aber ist keine Art, ein Land zu führen. Das haben die Briten nicht verdient.

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(SZ vom 10.06.2009/liv)