Von Gökalp Babayigit

52 Labour-Abgeordnete wollen nach der kommenden Parlamentswahl lieber im House of Lords sitzen. Sie scheinen sich mit der drohenden Niederlage bei der Parlamentswahl bereits abgefunden zu haben.

Wem der Keller vollläuft, der flüchtet nach oben: Wer noch einen Beweis dafür benötigte, dass die britische Labour-Partei im Sog des erschütternden Spendenskandals bei den Wahlen untergehen wird, der bekommt ihn in diesen Tagen von Labour selbst geliefert. Das Selbstvertrauen der Partei scheint jedenfalls am Boden zu sein.

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Premierminister Gordon Brown in der Defensive (© Foto: AFP)

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Der Guardian berichtet, dass 52 Labour-Abgeordnete ihren Premierminister Gordon Brown formal ersucht hätten, nach der nächsten Parlamentswahl im House of Lords sitzen zu dürfen.

Im Klartext: Sie glauben nicht an eine Wiederwahl ins Unterhaus, sie glauben an eine vernichtende Niederlage gegen die Torys um Parteiführer David Cameron - und wollen nun mit dem Wechsel ins Oberhaus ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Denn für einen Sitz im Upper House muss man sich nicht der Bevölkerung zur Wahl stellen.

Unter den 52 - so viele Oberhaus-Bewerber wie noch nie - sind dem Vernehmen nach nicht nur Hinterbänkler, sondern auch Ausschussvorsitzende und Staatssekretäre.

"Wir sind dem Untergang geweiht", zitiert der Guardian einen erfahrenen Labour-Abgeordneten. Tatsächlich erwartet die Partei von Regierungschef Brown ein Desaster bei der Europawahl. Umfragen sehen selbst Splitterparteien wie die British National Party und die UK Independence Party bedrohlich nah an der Volkspartei.

Schulminister Ed Balls nimmt denn auch kein Blatt vor den Mund. Er rechnet mit einem miesen Ergebnis bei der Europawahl. "In Europawahlen und Kommunalwahlen, die vor der Parlamentswahl stattfinden, schneiden Regierungsparteien für gewöhnlich nicht so gut ab. Das wird uns auch diesmal passieren."

Für die kommenden Parlamentswahlen, die bis spätestens Mitte 2010 stattzufinden haben, ist jedenfalls keine Besserung in Sicht. Es macht sich Resignation breit, dass wohl erneut Brown die Partei in die Wahl führen wird. Ein Sturz des Chefs ist trotz der katastrophalen Lage nicht abzusehen.

Wie weit sich die Parteikollegen aber von Brown entfernt haben, zeigt nach Ansicht eines Labour-Abgeordneten die förmliche Anfrage so vieler Abgeordneter, von Brown zum Peer gemacht zu werden. "Sie sollten sich vor Augen führen, wie viele Peers Gordon schon ernannt hat. Er ist kein großer Fan des Oberhauses."

Aber ohne die Gunst des Premiers werden die 52 Abgeordneten keinen Weg finden, um ins House of Lords zu gelangen. Weltliche Lords, die ihre Würden von der britischen Krone verliehen bekommen, müssen der Königin vom amtierenden Premierminister vorgeschlagen werden.

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(sueddeutsche.de/woja)