Griechischer Verteidigungsminister Kammenos Unberechenbarer Wunschpartner

Griechischer Rechtspopulist im Bund mit den Linken: Panos Kammenos.

(Foto: AP)

Einstige Weggefährten sagen, Panos Kammenos sei ein Mann, der Loyalitäten schnell vergisst. Trotzdem hat Griechenlands linker Premier Alexis Tsipras den Rechtspopulisten zum Verteidigungsminister gemacht. Aus einem einfachen Grund.

Von Christiane Schlötzer

In der Welt von Panos Kammenos gibt es viele Feinde. Nun wird der Mann griechischer Verteidigungsminister. Sein Land sieht der Rechtspopulist unter der "Besatzung" der Troika, der Vertreter von EU, EZB und IWF, der wichtigsten Kreditgeber Griechenlands.

Wie Linken-Chef Alexis Tsipras, mit dem er nun in Athen koaliert, lehnt der 49-Jährige die Reform- und Sparpolitik der alten Regierung ab. Das hat ihn zum Wunschpartner von Tsipras gemacht. Mit ihm teilt Kammenos auch die Fixierung auf Angela Merkel, die beide als treibende Kraft hinter den europäischen "Spardiktaten" betrachten. Die deutsche Regierung behandle ihre EU-Partner "wie Konkubinen", so Kammenos.

Antideutsches Ressentiment bestimmte auch die Ortswahl für die Parteigründung seiner "Unabhängigen Griechen", der Anexartiti Ellines, abgekürzt Anel. Die fand im Februar 2012 in Distomo statt. Die kleine Gemeinde hat durch ein im Jahr 1944 von einer deutschen SS-Division verübtes Massaker traurige Berühmtheit erlangt. Durch besonderes Verständnis für Nazi-Opfer ist der Anel-Chef sonst nicht aufgefallen. Von ihm sind dagegen Äußerungen bekannt, die man als antisemitisch verstehen kann. Massive Kritik gab es, als er im Dezember meinte, Juden würden in Griechenland steuerlich bevorzugt.

Papandreou nannte Kammenos ein "demagogisches Monster"

Verschwörungstheorien gehören auch zum Kosmos des Panos Kammenos. Dem sozialistischen Ex-Premier Giorgos Papandreou hielt er einst vor, dieser habe das Land absichtlich an den Rand des Bankrotts geführt, um sich persönlich an Kreditausfallversicherungen zu bereichern. Papandreou nannte ihn daraufhin ein "demagogisches Monster".

Ins Parlament zog Kammenos 1993 mit 27 Jahren ein, er saß dort auch schon im Verteidigungsausschuss. Der konservativen Nea Dimokratia (ND) gehörte er lange an, 2007 vertrat er sie auch als Staatssekretär im Marineministerium. ND-Chef Antonis Samaras schloss Kammenos aus der Partei aus, als dieser den Schwenk der ND weg von der Ablehnung und hin zur Unterstützung der Sparbeschlüsse nicht mitmachen wollte. Einstige Weggefährten sagen, Kammenos sei unberechenbar, einer, der Loyalitäten auch schnell vergisst.

Tsipras, so heißt es aus dessen Syriza, werde Kammenos "schon unter Kontrolle halten". In einer Koalitionsvereinbarung habe die Anel sich verpflichtet, so die Zeitung Kathimerini, die Finanz- und Wirtschaftspolitik von Syriza zu unterstützen, solange die Linke nicht außenpolitische Positionen der Anel antaste.

Seit er in Lyon Wirtschaft und Psychologie studiert hat, mag Kammenos die Franzosen. Abgesehen davon gibt er sich als strammer Nationalist. Im Streit um Hoheitsrechte in der Ägäis vertritt er eine harte Haltung gegenüber der Türkei. Im Ukraine-Konflikt ist ihm Putin näher als die EU. Syriza will dem sehr religiösen Kammenos zuliebe, der verheiratet ist und fünf Kinder hat, auf alle Pläne zur Trennung von orthodoxer Kirche und Staat verzichten.