Griechenlands Regierungschef Samaras "Wie gegen Ende der Weimarer Republik"

Wenn seine Regierung scheitert, warte das Chaos: Griechenlands Ministerpräsident Samaras bittet in einem dramatischen Appell um Solidarität mit seinem Land, lädt Merkel zum Besuch ein - und warnt vor dem Aufstieg der Faschisten.

Mit drastischen Worten hat der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras vor einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Lage in Griechenland gewarnt. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt bat er um Solidarität mit seinem krisengebeutelten Land und lud Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Besuch ein. Dieser wäre für das Verhältnis beider Völker sehr wichtig, sagte Samaras. Merkel sei "jederzeit willkommen".

Die Kanzlerin habe den richtigen Ton getroffen, als sie jüngst ihre Betroffenheit über Schicksale von Menschen in Griechenland zum Ausdruck gebracht habe. "Wir wissen sehr zu schätzen, dass uns die Deutschen und die Europäer in dieser schwierigen Zeit helfen", sagte Samaras. Regierungssprecher Steffen Seibert kündigte daraufhin an, Merkel werde am kommenden Dienstag nach Athen reisen. Deutschland und Griechenland seien enge Partner, da sei es normal, dass man einander auch besuche. Die Reise stehe aber selbstverständlich unter dem Eindruck der sehr schwierigen Situation des Landes.

Während Samaras die Kanzlerin willkommen heißt, haben die griechischen Gewerkschaften zu Proteststreiks gegen den Besuch aus Deutschland aufgerufen. Zudem solle der Aufenthalt der deutschen Regierungschefin von einer Demonstration am Parlamentsgebäude begleitet werden, erklärten die beiden größten Gewerkschaften des Landes. "So werden wir Frau Merkel empfangen", sagte ein Funktionär.

Im Handelsblatt-Interview zeichnete Regierungschef Samaras ein düsteres Bild von der Lage in seiner Heimat und warnte eindringlich vor einem Absturz des Landes. "Die Armut wächst, immer mehr Menschen müssen in Suppenküchen gehen, um eine warme Mahlzeit zu bekommen", sagte der Regierungschef. Die aktuelle Situation sei schicksalhaft. "Die Menschen wissen, dass dies die letzte Chance Griechenlands bedeutet." Wenn seine Regierung scheitern sollte, warte das Chaos.

Der soziale Zusammenhalt sei zudem durch die steigende Arbeitslosigkeit gefährdet - "so wie es gegen Ende der Weimarer Republik in Deutschland war". Die Gesellschaft sei bedroht durch Populisten der extremen Linken und "durch etwas, das es in unserem Land noch nie zuvor gegeben hat: den Aufstieg einer rechtsextremistischen, man könnte auch sagen faschistischen, Neonazi-Partei". Samaras bezog sich damit auf die Partei Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte), die seit der Wahl vom 17. Juni mit 18 Abgeordneten im Parlament vertreten ist. Diese sei in Umfragen bereits die "drittstärkste politische Kraft in Griechenland, Tendenz wachsend".

Während Samaras sein Verhältnis zu Merkel als "sehr positiv" beschrieb, äußerte er sich kritisch zu Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. "Herr Rösler ist offensichtlich nicht unser bester Verbündeter", sagte er. Rösler hatte im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise geäußert, ein Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft habe an Schrecken verloren. Samaras bekräftigte dagegen, dass ein Euro-Ausstieg für sein Land keine Option sei: "Er wäre eine Katastrophe."