Von Kai Strittmatter, Athen

Eine Eselin namens Merkel, Nazi-Vergleiche und viele Stinkefinger zur Begrüßung: Wie sich die Wut der Griechen zunehmend gegen die Deutschen und ihre Kanzlerin richtet.

Die Bewohner der Insel Lesbos, teilte die Zeitung Eleftheroypia mit, feierten den 1. Mai traditionell mit einem Eselrennen. Diesmal sei eine sympathische, braune Eselin als Letzte über die Schlusslinie gelaufen. Ach ja, die Eselin hörte auf den Namen "Merkel".

Angela Merkel Griechenland dpa

Derzeit bei den Hellenen nicht gut gelitten: Kanzlerin Angela Merkel (© Foto: dpa)

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Wenn ein deutscher Journalist dieser Tage auf einer Party in Athen erscheint, kann es passieren, dass ihm der Hausherr lachend auf die Schulter klopft, die Musik ausdreht und in den Raum ruft: "Alle mal herhören, hier ist ein deutscher Reporter, der über euch Griechen schreiben will!" Worauf unter großem Hallo mehrere Stinkefinger zur Begrüßung gereckt werden.

"Weiß Frau Merkel nicht, was sie sagt?"

Nein, der Zorn lodert nicht in solch hellen Flammen wie im Februar, als die stolzen Griechen sich von deutschen Schlagzeilen und Magazintiteln - zum Beispiel Aphrodite mit gerecktem Mittelfinger - schwer beleidigt fühlten.

Es ist mehr eine heiße Glut.

In den letzten Wochen bekam der Zorn eine neue Zielscheibe: Angela Merkel. Viele Griechen beobachteten erschrocken den Zickzackkurs der Kanzlerin, der die Panik an den Märkten schürte. Manche Griechen fühlten sich gedemütigt, andere waren schlicht fassungslos: "Weiß Frau Merkel nicht, was sie sagt? Wie viel Geld jedes ihrer Worte die Griechen und die Europäer kostet?", rätselt der Wirtschaftssoziologe Alexandros Kyrtsis. "Oder steckt dahinter Strategie? Will sie ein neues Kräfteverhältnis in Europa?"

Die Zeitung To Vima porträtierte Angela Merkel nun als "kleinbürgerliche Anhängerin des Stasi-Staates", die aufgestiegen sei, indem sie "hinterrücks ihren Mentor Helmut Kohl erdolchte". Und die linke Eleftherotypia druckte eine Karikatur Deutschlands als kräftiger Kämpferin, die das Blut einer am Boden liegenden Frau saugt, dazu die Zeile: "Musst du erst ihr ganzes Blut trinken, um ihr ein wenig Milch zu geben?"

Nazi-Vergleiche und Parodie von "Der Untergang"

Vergangene Woche schrieb die Zeitung, Deutschland wolle wohl ein neues "Heiliges römisches Reich deutscher Nation" schaffen, für die anderen Länder sei da nur Platz als "Protektorat". Und am Sonntag vergaß das Blatt nicht darauf hinzuweisen, dass an genau diesem 2.Mai vor 69 Jahren die Wehrmacht in Athen einmarschiert sei und es in eine "tote Stadt" verwandelt habe. Ähnliches werde nun dem von den Deutschen mitgeschnürten Sparpaket gelingen.

Auf Nazi-Vergleiche abonniert ist die Zeitung Ethnos, die Griechenland auf dem "wirtschaftlichen Zug nach Dachau" sah. Auf YouTube ist eine griechische Parodie des Films Der Untergang zu sehen: Bruno Ganz alias Hitler blafft einen Adjutanten an, er solle bloß nicht auf Kreta Urlaub machen, bevor die Griechen ihre Schulden zurückbezahlt hätten.

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