Ein Kommentar von Thorsten Schmitz

Die Situation an der Grenze zwischen Ägypten und Gaza widerlegt die Nahost-Politik der USA und der EU: Man kann die Hamas als Machtfaktor im Nahen Osten nicht ignorieren.

Mit großem Aplomb haben US-Präsident George W. Bush und Israels Regierungschef Ehud Olmert jüngst ihre Vision von einem Frieden in Nahost verbreitet. Auf der Annapolis-Konferenz war es ihnen zudem gelungen, Palästinenser-Präsident Machmud Abbas für den Plan zu gewinnen, bis Dezember ein israelisch-palästinensisches Friedensabkommen zu unterzeichnen. Bush und Olmert und manche Vertreter der EU-Staaten glauben noch immer, durch eine Vereinbarung mit den "guten Palästinensern" im Westjordanland ließe sich automatisch die Herrschaft der radikal-islamischen Hamas im Gaza-Streifen brechen. Früher oder später, so die Idee, wird sich der Zorn der 1,5 Millionen Gaza-Bewohner auf die Hamas-Putschisten richten.

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Ägyptische Grenzpolizisten blockieren die Grenze wieder. (© Foto: AP)

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Wie naiv solcher Glaube ist, zeigen die vergangenen drei Tage an der ägyptischen Grenze zu Gaza. Hunderttausende Palästinenser lieben die Hamas für die plötzlich gewonnene Freiheit. Ägypten schafft es bislang nicht, dem unverhofften Einkaufsbummel und den Verwandten-Besuchen ein Ende zu setzen. Der anhaltende Ansturm auf die Gaza-Grenze zeigt, dass ohne die weltweit isolierte Hamas kein israelisch-palästinensisches Abkommen gestrickt werden kann.

Womöglich beschleunigen die Tage der offenen Tür ja nun auch die Aussöhnung zwischen den verfeindeten palästinensischen Brüdern der Hamas und der Fatah-Organisation von Präsident Abbas. Hamas-Vertreter signalisieren bereits, dass sie den Streit mit der Fatah beenden möchten. Positive Signale kommen auch aus Israel: Am Freitag erklärte Verteidigungsminister Ehud Barak, er könne sich durchaus vorstellen, dass künftig die Sicherheitsdienste von Abbas den Grenzverkehr regeln.

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(SZ vom 26.01.2008/maru)