Der britische Premier Gordon Brown hat endlich die Wahrheit über Afghanistan ausgesprochen - es war höchste Zeit.
Die einzige Frage, die einem nach der Afghanistan-Rede des britischen Premiers Gordon Brown in den Sinn kommt, ist ein entnervtes: "Warum nicht gleich?"
Bild vergrößern
Gordon Brown droht Afghanistan mit Truppenabzug. (© Foto: Getty Images)
Anzeige
In der Tat: Warum mussten so viele Menschen sterben, so viele Millionen an Hilfsgeldern vergeudet werden, bevor ein westlicher Politiker den Mut fand, auszusprechen, was jeder Soldat weiß, der in Helmand oder Kandahar die Knochen hinhält - egal ob er aus Amerika, Großbritannien oder Deutschland kommt? Wieso schlagen wir uns für ein durch und durch korruptes Regime, das selbst keinen Finger zu rühren scheint für Wohlstand und Wohlergehen seines eigenen Volkes?
Spät hat Brown diese Wahrheit ausgesprochen, aber zu danken ist ihm nicht nur, dass er es überhaupt getan hat. Wichtiger war, dass er Hamid Karsai offen mit dem Entzug des militärischen Schutzes drohte, wenn der afghanische Präsident nicht selbst einige jener Werte verwirklicht, für deren Umsetzung die Nato-Partner am Hindukusch schließlich kämpfen. Diese Sprache dürfte Karsai verstehen. Denn er weiß, dass er ohne fremde Truppen keinen Monat überleben würde.
Höchste Zeit für Browns Warnschuss war es freilich, weil an der Heimatfront kaum jemand mehr Verständnis aufbringt für eine Mission, die zunehmend als nutz- und zwecklos empfunden wird, nicht nur in Großbritannien. "Mourir pour Danzig?" fragte ein französischer Leitartikler fünf Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges - nicht wissend, dass mehr auf dem Spiel stand als eine Stadt an der Ostsee. Das gilt auch für Afghanistan. Mourir pour Kabul? Ja, leider. Es ist ein hoher Preis, der täglich neu gerechtfertigt werden muss. Daran hat Brown erinnert. Endlich.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Gordon Brown RSS
- Afghanistan Brown erhöht Druck auf Karsai 06.11.2009
- Guttenberg "Wir brauchen Rechtssicherheit für unsere Soldaten" 06.11.2009
- Politik kompakt Nato-Soldaten in Afghanistan vermisst 06.11.2009
- Afghanistan Karsai will Opposition in die Regierung einbinden 03.11.2009
- Afghanistan Taten statt Worte 03.11.2009
(SZ vom 07.11.2009/std)
Korrigiere: es hat im vorherigen Beitrag zu heissen " . . . . . Es kann eigentlich n i c h t bei Sinnen und bei Trost sein."
cc.
Brown diagnostiziert zutreffend, wobei der Maßstab hierfür einzig und allein das allgemeine Vernunftdenken.
Die SZ gibt damit ganz klar die Regeln wider.
Karsai gilt in den Augen der meisten Afghanen als korrupt, wenn auch als die einzige Wahl. Das Volk ist ziemlich verloren: es ist und wurde vergewaltigt. Es kann eigentlich bei Sinnen und bei Trost sein. Ein Wahl in einem solchen Volk ist wie eine Wahl in einer Forensik.
Für den Westen hat das wüste Folgen: für die UDSSR war das mit einer der Gründe für ihren Untergang. Man unterschätze nicht, welches Potential amoralische Militäreinsätze in sich bergen. Der IRAK-Einsatz liefert ein sehr abschreckendes Beispiel.
cc.