Golfstaaten isolieren Katar Bei einer längeren Blockade könnte die Fußball-WM 2022 in Frage stehen

Die Herrscher in Abu Dhabi sehen wie Ägypten in der Bruderschaft die größte politische Bedrohung; Saudi-Arabien ist nun wohl auf diese Linie eingeschwenkt, nachdem sich König Salman nach seiner Thronbesteigung zunächst wieder um die Gruppe bemühte. Diplomaten sehen darin ein Indiz für den Einfluss, den die Emirate in Riad ausüben, vor allem auf Königssohn Prinz Mohammed bin Salman. Alle drei beschweren sich zudem über den von Doha finanzierten TV-Sender Al Jazeera.

Ein Kolumnist in den Emiraten schrieb unverblümt, der Golf müsse sein "ungezogenes Kind" disziplinieren, er setzte Katar mit einem Sohn gleich, der dem Vater den Gehorsam verweigere. Mit Misstrauen beäugen Riad und Abu Dhabi seit Jahren die eigenständige Außenpolitik Katars, das bei einer Bevölkerung von 1,9 Millionen nur 300 000 Bürger hat und seinen Einfluss auf Reichtum aus der Gasförderung gründete.

2014 hatten sie schon einmal ihre Botschafter abgezogen. Katar hat immer wieder versucht, in verschiedensten Konflikten zu vermitteln und pflegt Kontakte zu bewaffneten Gruppen und Aufstandsbewegungen. Es bestreitet, den IS oder al-Qaida zu unterstützen, wie die anderen Golfstaaten auch, ebenso wie dort spenden aber reiche Bürger möglicherweise an Extremisten.

US-Außenminister Tillerson empfahl Gespräche zwischen den Golfstaaten

Die Folgen des Bruchs für Katar und die Region sind noch kaum zu überblicken. Viele Katarer haben Familienverbindungen über die Grenze, über die bislang auch etwa 40 Prozent der Lebensmittel und andere Güter aus Saudi-Arabien geliefert werden. Bei einer längeren Blockade könnte die Fußball-WM 2022 in Frage stehen.

In Katar ist zudem das US-Hauptquartier im Kampf gegen den IS stationiert. Nun will sich US-Präsident Donald Trump einschalten und versuchen, die Lage zu deeskalieren, so ein Sprecher. Die Vereinigten Staaten wollten keinen "dauerhaften Bruch" zwischen den Golfstaaten. Auch der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdoğan riefen nach einem Telefonat zu einem Dialog auf.

Katar ist mit mehr als 300 Milliarden Dollar Anlagen einer der größten institutionellen Investoren der Welt und etwa Teilhaber bei Volkswagen und der Deutschen Bank. Zwar brach die Börse in Doha um 7,5 Prozent ein, der Ölpreis reagierte dagegen nicht und blieb wegen der hohen Vorräte in den USA unter 50 Dollar pro Barrel.

Saudi-Arabien contra Iran: Der Westen muss mit beiden reden

In der Auseinandersetzung zwischen Saudi-Arabien und Iran stellt sich US-Präsident Trump auf die Seite Riads. Die junge Generation in beiden Staaten hofft auf Reformen. Kommentar von Paul-Anton Krüger mehr...