Golfstaaten Die Nöte des Emirs von Katar

Tamim bin Hamad al-Thani, der 37-jährige Emir von Katar.

(Foto: AP)

Tamim bin Hamad al-Thani ist Herrscher des reichsten Landes der Welt. Er ist erst 37 Jahre alt - und der jetzige Konflikt mit den Nachbarn ist nicht die erste Krise, die er bewältigen muss.

Porträt von Dunja Ramadan

Das muss Scheich Tamim bin Hamad al-Thani erst einmal verdauen: Vor wenigen Wochen noch schüttelte der Staatschef Katars in Riad die Hand des US-Präsidenten Donald Trump, der den Kauf "wunderschöner militärischer Ausrüstung" pries. Al-Thani lächelte, Trump lächelte. Mittlerweile freut sich der US-Präsident auf Twitter über den kalten Krieg zwischen Katar und dessen Nachbarländern.

Al-Thani erscheint isoliert. Doch es ist nicht die erste Krise, die der 37-jährige Monarch des reichsten Landes der Welt lösen muss. Als er ein gutes halbes Jahr im Amt war, zogen Saudi-Arabien und andere Golfstaaten im Januar 2014 ihre Botschafter aus Katar ab.

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Damals war der Emir erst 33 Jahre alt. Sein Vater hatte als erstes Oberhaupt eines arabischen Landes der Golfregion die Macht freiwillig und bei klarem Bewusstsein abgegeben. Grund für den Eklat im Golf-Kooperationsrat (GCC) war die Außenpolitik des Emirats, die Saudi-Arabien bis heute nicht passt. Nach neun Monaten reiste der junge Emir nach Riad, um die Wogen zu glätten. Die erste Krise war überstanden. Vorerst.

Tamim galt seit 2003 als Thronfolger. Als Kind wurde er ins Internat nach England geschickt, danach besuchte er, wie sein Vater, die britische Militärakademie in Sandhurst. Zurück in der Heimat wurde er Leutnant, dann stellvertretender Oberbefehlshaber der Armee. Er ist mit drei Frauen verheiratet und hat neun Kinder.

Seine Mutter schockierte das Land mit einem Fernseh-Interview

Tamim ist der vierte Sohn des ehemaligen Staatsoberhauptes Hamad bin Chalifa und seiner Zweitfrau Moza bint Nasser al-Missned, die als mächtige Frau am Golf gilt. Durch ein Interview mit dem Fernsehsender CBS im Jahr 2003 schockierte sie das konservative Land, nie zuvor hatten die Kataris die Frau eines Herrschers zu Gesicht bekommen. Mittlerweile gilt sie als Stütze für ihren Sohn, der die "nationale Vision 2030" vorantreiben will. Der Kleinstaat soll sich aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Öl und Gas befreien und ein weltweit anerkanntes Zentrum für Kultur, Bildung und Tourismus werden. Die Hauptstadt Doha soll zur Welthauptstadt des Sports aufsteigen.

Seitdem der Emir 22 Jahre alt ist, sitzt er im Internationalen Olympischen Komitee. Er schaffte es, die Handball-WM 2015, die Rad-WM 2016 und, falls sich die Krise beruhigt, die Fußball-WM 2022 ins Land zu holen. Die ägyptische Zeitung al-Ahram nannte ihn 2006 "die beste Sportpersönlichkeit der arabischen Welt". Doch die prekären Arbeitsbedingungen der Migranten auf den WM-Baustellen setzten ihn unter Druck. 2016 schaffte seine Regierung das umstrittene Bürgschaftssystem Kafala ab. Doch Experten sagen, es habe sich kaum etwas verändert.

In einem CNN-Interview antwortete der Emir auf die Frage, ob sein Land den Terror unterstütze, es gebe Bewegungen, die man in den USA für Terrororganisationen halte, in "unserer Region aber nicht". Katar gilt als Geldgeber der Muslimbrüder und der Hamas.

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