Nach der Kanzlerin hat sich nun auch Finanzminister Steinbrück gegen die Konjunkturpläne von Wirtschaftsminister Glos gewandt. Aus der Wirtschaft hingegen kommt Unterstützung.
Mit seinen Überlegungen zu einem Konjunkturprogramm steht Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in der Bundesregierung isoliert da.
Steht mit seinen Konjunkturprogramm-Plänen weiterhin alleine in der Regierung da: Bundeswirtschaftsminister Glos. (© Foto: dpa)
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Nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte am Montag Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) Milliardenausgaben des Staates zur Stützung des Wachstums als wirkungslos ab. Rückhalt fand der CSU-Politiker bei Industrie, Handwerk und Handel, die schon länger nach Steuerentlastungen rufen. Führende Ökonomen blieben dagegen auf Distanz - Glos betreibe vor allem Wahlkampf, vermuteten sie.
Sollte die Konjunktur weiter abkühlen, erwägt Glos ein Paket zur Stimulierung des privaten Konsums. Elemente sollen neben der Rückkehr zur alten Pendlerpauschale ein höherer Freibetrag bei der Einkommensteuer und eine Glättung des Steuertarifs zugunsten mittlerer Gehälter sein. Alle Punkte werden im Bayern-Wahlkampf von der CSU gefordert, finden in der Koalition aber bisher keine Mehrheit. Im Gespräch ist ein Volumen von zehn Milliarden Euro.
Steinbrücks Sprecher Torsten Albig kritisierte, damit könne man bei einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von 2,5 Billionen Euro die Konjunktur nicht beeinflussen: "Das Einzige, was man tut, ist, öffentliche Mittel zu verbrennen oder zu vernichten." Zudem bekräftigte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Absage Merkels, eine Debatte über ein solches Programm stehe nicht an.
Glos' Sprecher Steffen Moritz betonte, die Überlegungen bezögen sich nicht auf die aktuelle Lage: "Es gibt im Moment keinen Grund, jetzt einzugreifen." Trotzdem müsse sich das Wirtschaftsministerium Gedanken für den Fall eines Abschwungs machen. Zugleich bekräftigte er die Erwartung der Regierung, dass die Wirtschaft 2008 um 1,7 und im kommenden Jahr um 1,2 Prozent wachsen werde. Das konjunkturelle Umfeld sei robust.
Einige Wirtschaftsverbände griffen den Impuls dankbar auf. "Auch wenn wir derzeit kein Anzeichen für eine Rezession sehen, halten wir es für ein wichtiges Signal, die Bürger jetzt zu entlasten", sagte etwa der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Die Regierung sollte Steuertarife und -freibeträge schnell an die Kaufkraftentwicklung anpassen. "Der Binnenmarkt braucht dringend Wachstumsimpulse", sagte auch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler.
Der Einzelhandelsverband HDE verspricht sich von niedrigeren Steuern einen Stimmungsumschwung. "Der Staat würde damit das Signal geben, dass er Geld zurückgibt, wo immer sich Spielräume auftun", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Der Präsident der Metall-Arbeitgeber, Martin Kannegießer, warnte die Politik jedoch vor Schnellschüssen: "Was wir nicht brauchen, sind als Konjunkturstütze verkleidete Wahlkampfgeschenke." Wichtig sei ein konzertiertes Vorgehen. So dürfe neben Steuerentlastungen der wichtige Bereich der Investitionen nicht vergessen werden.
Wirtschaftsforscher bezweifelten grundsätzlich, dass sich mit Steuern Konjunkturpolitik machen lässt. "Mir scheint das vor allem dem Wahlkampf geschuldet", sagte Wim Kösters vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. Die Anpassungen des Steuertarifs sei eine Daueraufgabe der Politik: "Das jetzt als Konjunkturprogramm zu bezeichnen, ist Unsinn."
Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, sprach von einem Versuch Glos', Bewegung in die Steuergesetzgebung zu bringen. Allerdings sei Konjunkturpolitik nicht wirksam.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(Reuters/cag/sekr)
sind die Wahlchancen seiner Partei in September. Ansonsten bleibt Glos das schwächste Mitglied der Regierung und wie so oft hätte er besser geschwiegen.
Der Vorschlag muss wohl einfach in die Reihe Pendlerpauschale, Aufweichung Rauchverbot, Steuersenkung ohne Gegenfinanzierung und was der CSU vor den Wahlen sonst noch so einfällt eingereiht werden. Ablage Papierkorb - nach der Wahl ist das sowieso Geschichte
Steuergeschenke an die Wirtschaft wurden durch Mehrwertsteuer, sinkende Löhne und Ausbau des Niedriglohnsektors ermöglicht
Seit der von der rot-grünen Koalition in 2000/2001 verabschiedeten "Steuerreform" werden Deutschlands Konzerne jährlich um ca. 20 Milliarden Euro entlastet, wobei die diesjährige "Steuerreform" den Unternehmen noch zusätzliche fünf Milliarden Euro jährlich schenkte. Inzwischen kann Deutschland als Steuerparadies gelten, da schon 2005 die Unternehmenssteuern nur noch 0,6 Prozent des BIP ausmachen, während es im EU-Durchschnitt 2,4 Prozent sind. Selbst in solch neoliberalen Musterländern wie der Slowakei, die einen einheitlichen Steuersatz, eine Flat-Tax, einführte, machen die Unternehmenssteuern 2,7 Prozent des BIP aus.
Die nach den Steuergeschenken an Deutschlands Unternehmen fehlenden Milliarden holte sich die Große Koalition mittels der Mehrwertsteuererhöhung von 2007 wieder bei uns allen zurück. De facto bezahlen jetzt alle Bundesbürger vom Manager bis zum Arbeitslosen bei jedem Einkauf mit drei Prozent der Kaufsumme auch die großzügigen Steuergeschenke an Deutschlands Kapital. Dies war eine eindeutige Weichenstellung zugunsten einer Exportorientierung seitens der Bundesregierung, die hierfür einen Rückgang der Binnennachfrage in Kauf nimmt die Senkung der Unternehmenssteuer wird mit erhöhten Konsumsteuern erkauft.
Die zweite Säule dieser Politik bildete die breit angelegte Senkung der Löhne der abhängig Beschäftigten Deutschlands, die hauptsächlich vermittels Hartz IV durchgesetzt wurde. Dies wurde durch Abschreckung und Disziplinierung erreicht. Zum einen wirkt die bewusst kalkulierte Verelendung der ALGII-Bezieher abschreckend auf all diejenigen Lohnabhängigen, die sich Unternehmensforderungen nach Lohnkürzungen oder unentgeltlichen Arbeitszeitverlängerungen ausgesetzt sehen. Widerstandspotential in den Betrieben wird so minimiert. Um diesen sozialen Abstieg zu vermeiden, sind vor allen ältere Arbeiter und Angestellte bereit, so ziemlich alle Zumutungen auf sich zu nehmen. Die "aktivierende Maßnahmen" der Arbeitsagenturen hingegen zielten auf den Aufbau eines "Niedriglohnsektors", auf die Herausbildung einer Klasse von "Working Poor" nach amerikanischem Vorbild. ........
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