Erstmals haben sich die führenden Wirtschaftsmächte der Welt darauf verständigt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent zu reduzieren - zumindest theoretisch. Umweltschützer üben prompt scharfe Kritik an der Vereinbarung.

Ein halbes Jahr vor Ende seiner Amtszeit hat US-Präsident George W. Bush den Widerstand gegen ein langfristiges Klimaziel aufgegeben. Beim G-8-Gipfel im japanischen Toyako verständigten sich die Staats- und Regierungschefs darauf, bis 2050 den Ausstoß schädlicher Treibhausgase mindestens zu halbieren.

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Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der japanische Ministerpräsident Yasuo Fukuda und Angela Merkel beim G-8-Gipfel. (© Foto: AFP)

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Noch vor einem Jahr hatte Bush nur zugesagt, dieses Ziel zur Mitte des Jahrhunderts zu prüfen. Umweltschützer kritisierten, dass Bush sich weiter weigere, sich auf mittelfristige Ziele festzulegen.

Die US-Regierung bewertet die Schlusserklärung des G-8-Gipfeltreffens zur Klimafrage als ein hervorragendes Ergebnis. Mit dem erklärten Ziel, bis 2050 den Ausstoß der Treibhausgase um 50 Prozent senken zu wollen, hätten sich die G-8-Staaten auf eine gemeinsame langfristige Vision festgelegt, sagte der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Dan Price.

Die Amerikaner setzten ihrerseits Deutschland unter Druck, den Atomausstieg zu stoppen. Wer es mit dem Klimaschutz ernst meine, müsse auch die Kernkraft nutzen, sagte ein Klimaberater Bushs. Merkel blockte den Vorstoß umgehend ab: "Ich glaube nicht, dass sich der Klimaschutz an der Frage der Kernenergie alleine entscheidet."

Sie lobte die Klimaschutz-Beschlüsse der G8-Staaten. Diese stellten einen bedeutenden Fortschritt im Kampf gegen die Erderwärmung dar, sagte die CDU-Politikerin in Toyako. Zugleich betonte Merkel aber, die sieben führenden Idustrieländer und Russland (G8) könnten das Problem der Treibhausgas-Emissionen nicht alleine bewältigen.

Die G8 hätten mehr erreicht als ein Jahr zuvor beim Gipfel in Heiligendamm. Der Beschluss der Staats- und Regierungschefs sei ein klarer Auftrag, bei der UN-Klimakonferenz Ende 2009 in Kopenhagen zu einem Abschluss zu kommen. Dabei müssten die reichen Industriestaaten größere Verantwortung Übernehmen. "Ich verschweige nicht, dass wir bis Kopenhagen noch viele harte Verhandlungen haben werden", sagte Merkel.

Wie von Bush vorgeschlagen, soll es nun darum gehen, mit allen großen Industriestaaten - also auch mit China und Indien - eine für alle verbindliche Strategie für mittelfristige Ziele im Kampf gegen die Klimaerwärmung zu finden. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso würdigte die Einigung als starkes Signal für die Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012.

Eine entsprechende Konferenz soll Ende 2009 in Kopenhagen beginnen. Dann wollen die G 8 ihre eigene Vorgabe für 2050 in die Verhandlungen einbringen. Bei ihrem Treffen legten sich die G-8-Staats- und Regierungschefs darauf fest, dieses Ziel im UN-Rahmen nicht nur in Erwägung zu ziehen, sondern auch tatsächlich umzusetzen.

Dieses als "Vision" bezeichnete Ziel solle im UN-Rahmen "geprüft und angenommen" werden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der G 8. Damit gingen die G 8 deutlich über die Vereinbarung von Heiligendamm im vergangenen Jahr hinaus. Damals war gegen langen Widerstand der USA beschlossen worden, das 50-Prozent-Ziel nur ernsthaft zu prüfen.

Basisjahr noch nicht genannt

Nun kamen die Staats- und Regierungschef auch überein, sich mittelfristig auf eine Reduzierung der Treibhausgase zu verpflichten. Allerdings blieb offen, ob 2020 oder 2030 als mittelfristig anzusehen sei. Auch wurden keine klaren Zahlen pro Land genannt.

Doch vereinbarten die G 8, dass sie weltweit beim Klimaschutz eine "Führungsrolle" übernehmen wollen und dass sie dabei einen größeren Beitrag leisten müssten als die Schwellenländer. Daher solle jedes G-8-Land eigene Ziele setzen und mittelfristig den Ausstoß an Treibhausgasen "absolut" reduzieren. Ein Basisjahr dafür wurde allerdings nicht genannt.

Die Atomkraft wird in dem Text insofern erwähnt, als es ein wachsendes Interesse mancher Staaten gebe, die Atomkraft einerseits zur Vermeidung von Treibhausgasen und andererseits zur Verringerung der Öl-Abhängigkeit einzusetzen. Die Kernenergie wird aber nicht generell als ein Instrument im Kampf gegen den Klimawandel genannt. Dagegen hatte sich Deutschland gesperrt, das mit seinem Atomausstieg unter den G 8 inzwischen alleine dasteht.

Kritik von Umweltverbänden

Die Umweltschutzorganisation WWF hat die Vereinbarung beim G-8-Gipfel zum Klimaschutz als unzureichend kritisiert. Die G-8-Führer hätten es nicht geschafft, die internationalen Klimaverhandlungen bei ihrem Gipfel im japanischen Toyako voranzubringen, erklärte der WWF in einer Stellungnahme.

Das Ziel einer Reduzierung der globalen CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent bis 2050 reiche nicht aus. Enttäuscht äußerte sich auch die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Tearfund. "Die G 8 kriechen bei den Einschnitten der Treibhausgase vorwärts, während große Sprünge erforderlich wären", sagte Peter Grand von Tearfund.

Die Vereinbarung sei "kaum mehr" als eine Bestätigung der Ziele vom vergangenen Jahr in Heiligendamm. Statt einer Halbierung sei eine Verringerung der Treibhausgase bis 2050 um 50 bis 80 Prozent nötig. Das Ziel bis 2020 müsste 25 bis 40 Prozent lauten, so Grand. "Die Ergebnisse des Gipfels vom Vorjahr in Heiligendamm zu bestätigen, ist kaum ein bedeutendes Ergebnis", kritisierte WWF-Klimaschutzexperte Kim Carstensen.

Greenpeace erklärte: "Während die Arktis schmilzt, vertagen die G 8 das Handeln. Statt Klimaschutz hat die Welt nichts weiter erhalten als blumige Worte". So ein "kleiner Fortschritt nach einem ganzen Jahr an Ministertreffen und Verhandlungen" sei nicht nur eine "vertane Gelegenheit", sondern bleibe auf gefährliche Weise hinter dem zurück, was zum Schutz der Menschen und Natur vor dem Klimawandel nötig sei, klagte der WWF.

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(AFP/dpa/AP/Reuters/gdo/ssc/ihe)