Gipfeltreffen Hoffnungsschimmer für Tausende Bootsflüchtlinge

Indonesische Fischer haben mehr als 370 Flüchtlinge von diesem Boot gerettet.

(Foto: dpa)
  • Malaysia und Indonesien haben nach einem Gipfeltreffen angekündigt, Flüchtlinge vorübergehend aufzunehmen.
  • Tausende Bootsflüchtlinge treiben unter elenden Bedingungen auf der Andamanensee zwischen Thailand, Malaysia und Indonesien. Die Länder waren international heftig kritisiert worden, da sie die Flüchtlinge nicht an Land ließen.
  • Der Großteil der Flüchtlinge sind Rohingya aus Myanmar. Dort wird die muslimische Volksgruppe diskriminiert und nicht anerkannt.
  • Erstmals hat auch Myanmar ein wenig eingelenkt und humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge auf See zugesagt.

Malaysia und Indonesien wollen "vorübergehende Zuflucht" gewähren

In die eskalierende Flüchtlingskrise in Südostasien kommt Bewegung. Die Außenminister Malaysias, Thailands und Indonesiens sind an diesem Mittwoch im malaysischen Regierungssitz Putrajaya zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Sie wollen beraten, was mit den Tausenden Flüchtlingen passieren soll, die nach Angaben von Menschenrechtlern teils seit Wochen unter elenden Bedingungen auf Booten in der Andamanensee und in der Straße von Malakka festsitzen.

Malaysia und Indonesien haben sich bereiterklärt, den etwa 7000 Flüchtlingen "vorübergehende Zuflucht" zu gewähren, die in den vergangenen Tagen eingetroffen waren. Das haben die Außenminister der beiden Länder, Anifah Aman und Retno Marsudi, gemeinsam erklärt. Malaysia, Indonesien und Thailand waren zuletzt international heftig kritisiert worden, da sie ankommende Migranten lediglich mit Lebensmitteln versorgten und anschließend wieder zurück aufs offene Meer schickten.

Am Dienstag hatten bereits die Philippinen Flüchtlingshilfe angeboten. Das Land werde sich seiner humanitären Verpflichtungen nicht entziehen, teilte der Präsidentensprecher mit. Die Flüchtlingsschiffe sollen außerhalb der Hoheitsgewässer zwischen Thailand, Malaysia und Indonesien driften. Die Philippinen liegen mehr als 2000 Kilometer weiter östlich.

Großteil der Flüchtlinge sind muslimische Rohingya aus Myanmar

Tausende Flüchtlinge befinden sich noch auf See. Die meisten sind muslimische Rohingya aus Myanmar, einige stammen aus Bangladesch. Die Volksgruppe ist als muslimische Minderheit im mehrheitlich buddhistischen Myanmar systematischer Diskriminierung ausgesetzt.

Die Regierung bezeichnet die Rohingya als illegale Migranten aus dem benachbarten Bangladesch und lehnte bislang jede Verantwortung für die Volksgruppe ab. Allerdings leben die Rohingya seit vielen Generationen in der Rakhine-Region Myanmars am Golf von Bengalen. Die britischen Kolonialherren brachten sie ins Land.

Myanmar erstmals zu humanitärer Hilfe bereit

Myanmar schickte keinen Vertreter zu dem Treffen in Malaysia. Nach internationalem Druck erklärt sich das Land immerhin erstmals zu humanitärer Hilfe für die in Not geratenen Menschen bereit. Das geht aus einer von Staatsmedien verbreiteten Erklärung des Außenministeriums hervor.

Myanmars Außenministerium erklärte den Medienberichten zufolge, die Regierung teile die Sorgen der internationalen Gemeinschaft über die Flüchtlingskrise. Sie sei "bereit zu humanitärer Hilfe für jeden, der auf hoher See leidet". Bislang hatte sich das arme südostasiatische Land in der Krise für nicht zuständig erklärt.

Thailand will in der kommenden Woche ein Gipfeltreffen zu dem Thema abhalten, noch ist unklar, ob Myanmar teilnehmen wird. Das Präsidentenamt ließ ausrichten, die Regierung nehme nicht teil, wenn auch nur der Name "Rohingya" erwähnt werde.

Rettungsaktion indonesischer Fischer

Vor der Küste der indonesischen Provinz Aceh im Norden der Insel Sumatra wurden am Mittwochmorgen insgesamt 426 Flüchtlinge gerettet, wie örtliche Behördenvertreter mitteilten. Die Menschen sollen demnach aus Myanmar stammen. Die Geretteten seien sehr geschwächt.

"Viele sind krank, sie haben mir gesagt, dass viele ihrer Freunde verhungert sind", sagte ein indonesischer Fischer, der sich an der Rettungsaktion beteiligt hatte. Unter den Geretteten waren seinen Angaben zufolge auch 30 Kinder und 26 Frauen.