Gipfel-Krawall Polizei will bei G-20-Ermittlungen öffentlich fahnden

  • Das Hamburger Amtsgericht hat einen G-20-Gegner zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.
  • Er hatte im Juli gegen den G-20-Gipfel protestiert. Fünf Monate später sitzen Mitstreiter von ihm immer noch in Untersuchungshaft.
  • Um die Krawalle im Stadtteil Bahrenfeld aufzuklären, durchsuchten Polizisten am Dienstag bundesweit 23 Wohnungen und zwei linke Treffpunkte.
Von Peter Burghardt, Hamburg

Fünf Monate sind ins Land gegangen, seit der Hamburger G-20-Gipfel aus dem Ruder lief, die Behörden ermitteln fleißig weiter. Jedenfalls gegen mutmaßliche Straftäter. Bei der Randale hatte es Anfang Juli ja zahlreiche Verletzte und Sachschäden gegeben. Hunderte Fälle werden untersucht und 24 Haftstrafen wurden bereits verhängt, davon fünf ohne Bewährung.

Am Dienstag verurteilte das Amtsgericht der Hansestadt einen 30-Jährigen zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis - er soll Flaschen und Steine geworfen und dabei mitgeholfen haben, Geschäfte und eine Bank zu demolieren. Und am Morgen rückten wieder Fahnder aus.

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Bereits im September war bei einer Großrazzia Hehlerware mutmaßlicher Plünderer sichergestellt worden. Diesmal durchsuchten 582 Polizisten in acht Bundesländern 23 Wohnungen sowie in Göttingen und Stuttgart zwei Treffpunkte der linken Szene. Darunter waren Spezialisten der Hamburger Soko Schwarzer Block, die mit 146 Beamten Fotos, Videos und andere Hinweise auswertet. Sie nahmen Smartphones, Laptops oder USB-Sticks mit; die Stuttgarter Polizei präsentierte auf einem Foto außerdem Messer, Armbrust und Sprays. Verhaftet wurde niemand, aber die Aktion richtete sich gegen 22 Beschuldigte mit festem Wohnsitz in Deutschland, bei denen keine Fluchtgefahr bestehe, informierte der Soko-Leiter Jan Hieber.

Der Soko-Chef glaubt an einen "in seiner Gesamtheit gewalttätigen Mob"

Hunderte Verdächtige waren während G 20 festgesetzt worden, manche von ihnen sind immer noch in Untersuchungshaft. Ein junger Italiener wurde kürzlich während des Verfahrens gegen Kaution vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Den meisten dieser Verurteilten, Angeklagten oder Beschuldigten wird schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Diesmal hoffen die Ermittler "näher an den Kern der linken Szene heranzukommen", wie Polizeipräsident Ralf Martin Meyer es nennt.

In diesem Fall geht es vor allem um die Krawalle vom 7. Juli in Hamburgs Stadtteil Bahrenfeld. Polizisten werfen Vermummten vor, sie mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen zu haben. Es gab mehrere Festnahmen, bei den Zusammenstößen wurden allerdings auch 14 Flüchtende verletzt, einige schwer. "Es handelte sich um einen in seiner Gesamtheit gewalttätigen Mob", glaubt Soko-Chef Hieber. Er ist überzeugt davon, dass die Aktion geplant und koordiniert gewesen sei. Die Autonomen hätten sich in mehreren markierten Gruppen aus einem Protestcamp heraus in Richtung Tatort bewegt und unterwegs Steine oder Baustellenmaterial mitgenommen, um die Sicherheitskräfte zu attackieren.

In sozialen Netzwerken wird die neue Razzia als brutal kritisiert, auch waren offenbar zuvor Warnungen kursiert. Die Soko Schwarzer Block will noch im Dezember eine Öffentlichkeitsfahndung ausrufen.

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