Giftgas in Syrien Obamas gefährlicher Bluff

Barack Obama hat sich selbst in die Enge getrieben. Er hat den Einsatz von Giftgas in Syrien als "rote Linie" bezeichnet. Doch auch wenn immer offensichtlicher wird, dass die "rote Linie" längst überschritten ist: Der Präsident handelt nicht.

Ein Kommentar von Hubert Wetzel

Barack Obama steckt in einer Falle. Mehrmals hat der amerikanische Präsident den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien als "rote Linie" bezeichnet. Sollten diese Waffen also benutzt worden sein, dann wäre eine militärische und moralische Grenze überschritten, dann würden die USA in den Krieg eingreifen.

Nichts jedoch ist Obama so zuwider wie die Aussicht, dass Amerika sich ausgerechnet unter seiner Führung in einen weiteren Krieg im Nahen Osten verstricken könnte.

Je mehr sich nun die Belege häufen, dass das syrische Regime Giftgas eingesetzt hat, desto mehr gerät Obama in Bedrängnis. Er will partout nicht eingreifen, schon gar nicht mit US-Truppen. Aber er kann auch nicht mehr hinter die von ihm proklamierte rote Linie zurück, ohne die Glaubwürdigkeit Amerikas aufs Spiel zu setzen.

So erklärt sich das allmählich groteske Beharren des Weißen Hauses darauf, dass man die Sache mit dem Sarin noch ein bisschen prüfen müsse, bevor man (vielleicht) eine Entscheidung trifft.

Lange wird das nicht mehr gut gehen. Iran und Saudi-Arabien, Israel und die Golfstaaten, selbst China und Russland - sie alle schauen genau hin, wie entschlossen Amerika ist. Ihr künftiges Verhalten wird nicht zuletzt davon abhängen, ob sie glauben, amerikanische Drohungen ernst nehmen zu müssen. Sollte Obama in Syrien bluffen, könnte das weit über das Land hinaus unschöne Folgen haben.