Auch nach der Neuordnung der SPD-Spitze herrscht bei den Gewerkschaften eine kritische Haltung gegenüber den Sozialdemokraten vor - eine Wahlempfehlung lehnen sie ab.
Die Gewerkschaften bleiben auch nach dem Führungswechsel der SPD auf Distanz zu den Sozialdemokraten. "Eine Wahlempfehlung wird es von uns nicht geben", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, der Berliner Zeitung.
"Es kann nicht sein, dass Erben geschützt werden und dafür Investitionen in Bildung unterbleiben": Michael Sommer (© Foto: AP)
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Sommer empfahl der SPD, sich künftig stärker gegen CDU und CSU abzugrenzen. "Bisher war die SPD sehr auf die Linkspartei fixiert. Das hat sie daran gehindert, sich mit der Union auseinanderzusetzen", sagte der DGB-Chef. "Es ist aber so, dass die SPD nicht nur ein, sondern zwei Probleme hat: Oskar Lafontaine und Angela Merkel. Ich habe den Eindruck, dass sie angefangen hat, das zu realisieren."
Eine Möglichkeit zur Profilierung könnten Mindestlohn und Erbschaftssteuer sein. "Es kann nicht sein, dass Erben geschützt werden und dafür Investitionen in Bildung unterbleiben." Zudem müsse die SPD darauf drängen, die Idee der Bundeskanzlerin aufzuarbeiten, den Ex-Bundesbankchef und Aufsichtsrat der Hypo Real Estate, Hans Tietmeyer, zum Regierungsberater zu machen.
"Es muss offengelegt werden, welche Rolle solche Leute bei der Entscheidungsfindung der Bundesregierung gespielt haben und immer noch spielen", forderte Sommer.
Die IG Metall forderte die SPD angesichts der Finanzkrise zu einer programmatischen Wende auf. Der Trend zur Deregulierung habe auch auf dem Arbeitsmarkt negative Folgen, sagte der Vizechef der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau. Als Beispiel nannte er die Liberalisierung der Zeitarbeit: Leiharbeiter würden schlecht bezahlt und nun, im wirtschaftlichen Abschwung, als erste entlassen.
Der Chef der Linkspartei, Oskar Lafontaine, sieht die SPD weiterhin auf dem falschen Weg. "Zwar erleben wir jetzt die Zeit der Wendehälse, und die Vorschläge der Linken werden in einer atemberaubenden Geschwindigkeit von allen Parteien übernommen, auch von der SPD", sagte Lafontaine der Stuttgarter Zeitung.
Solange jedoch die SPD gegen die Pendlerpauschale sei und sich für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ausspreche, bleibe sie für die Linke "unglaubwürdig". Am Samstag hatte die SPD in Berlin Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten und den früheren Vorsitzenden Franz Müntefering erneut zum Parteichef gewählt.
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(dpa/plin/gal)
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"Teil unserer Misere ist den Gewerkschaftsforderungen der 70er und 80er Jahren geschuldet"
Gibt es dazu eine Begründung, oder haben sie nur Propaganda Sprüche der Arbeitgebervertretungen wiedergegeben?
DGB-Chef Michael Sommer und IG Metall-Vizechef Detlef Wetzel haben vollkommen recht: Die SPD muss endlich realisieren, dass ihr Hauptgegener nicht die LINKE ist sondern die CDU/CSU mit Kanzlerin Merkel, deren Erfüllungspolitik für die Big-Bosse der Banken und Wirtschaftsverbände nun gescheitert ist.
Auch nach dem Sonderparteitag läßt die SPD noch nicht erkennen, dass die seit der Agenda-Politik eingeleitete Entsozialdemokratisierung nun ein Ende habe. Wenn die Partei mit ihrem "neuen" Führungsduo Münte/Steinmeier jetzt nicht entschieden um die Einführung der "Reichen-Erbschaftssteuer" sowie um flächendeckende Mindestlöhne kämpft, betreibt sie weiter aktiv die INSM-gefällige Politik der Kanzlerin.
Dafür kann man als Gewerkschaft nun wirklich keine Wahlempfehlung zugunsten der SPD aussprechen.
Die heutige Münte-SPD wird wohl erst den Ernst ihrer Lage begreifen, wenn sie zwischen zehn und 15 Prozent herumgammelt und Oskar ihr dann süffisant eine Fusion mit der LINKEN anbietet...
Da müssten doch die Worte und Taten der Linkspopolistin Ypsilanti was bewegen können....?
Die Gewerkschaften haben keinen Grund, sich wie ein wedelnder Schwanz einer Partei zu verhalten, für die ihr eigenes Programm nicht mehr als eine nostalgische Dekoration im Empfangsraum ist.
Die bei den im nächsten Jahr anstehenden Massenentlassungen in der Auto- und Zulieferindustrie "Freigesetzten" werrden keine Wahlempfehlung brauchen.
Viele werden gar nicht wählen. Oder -was natürlich besser wäre- die LINKEN.
Paging