Angesichts der eskalierenden Situation zwischen Tibetern und den chinesischen Behörden werden erste Stimmen laut, die auf einen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking dringen. IOC-Präsident Rogge warnt allerdings vor derartigen Aufrufen. Damit würden nur die Athleten bestraft.
Angesichts der eskalierenden Gewalt zwischen Tibet und China werden erste Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking laut. Mit einer Boykottierung müsse "großer und nachhaltiger Druck auf China ausgeübt werden, die brutale Unterdrückung der Tibeter und die Missachtung der Menschenrechte in China zu beenden", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth.
Richard Gere, gläubiger Buddhist, sieht in einem Boykott die letzte Konsequenz, um die Interessen der Exil-Tibeter gegen die chinesische Besetzung durchzusetzen. (© Foto: dpa)
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Auch Hollywood-Schauspieler Richard Gere spricht sich für einen Boykott der Olympischen Spiele aus. Der gläubige Buddhist sieht darin die letzte Konsequenz, um die Interessen der Exil-Tibeter gegen jahrzehntelange chinesische Besetzung ihres Heimatlandes durchzusetzen. Gere betont aber, dass ihn die derzeitige Lage "für beide Seiten traurig" stimmt.
Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, sprach sich am Samstag allerdings gegen einen Boykott der Olympischen Sommerspiele aus. Dies würde nichts ändern und nur die Athleten bestrafen, erklärte Rogge. Zuvor hatte der IOC-Präsident jeden Kommentar zu den Ereignissen in Tibet abgelehnt. Es sei nicht die Aufgabe des Komitees, die Menschenrechtssituation dort zu verbessern, sagte er am Freitag in Puerto Rico. Auch IOC-Vizepräsident Thomas Bach warnte vor Boykottaufrufen. Das "wäre der falsche Weg, weil dadurch Gesprächsfäden abgeschnitten würden", sagte er.
Unterdessen sieht China die Olympischen Sommerspiele durch die schweren Unruhen in Tibet nicht gefährdet. Auch der Fackellauf, bei dem das olympische Feuer auf den Mount Everest getragen werden soll, werde wie geplant stattfinden, sagte ein Sprecher des Organisationskomitees BOCOG am Samstag.
Das Organisationskomitee wende sich gegen jeden Versuch, die Olympischen Spiele für politische Ziele zu instrumentalisieren. Das widerspreche dem Geist der Spiele. Der BOCOG-Sprecher räumte ein, dass protibetische Gruppen versucht hätten, mit Chinas Gastgeberrolle bei den Spielen vom 8. bis 24. August öffentliche Aufmerksamkeit auf ihre Anliegen zu lenken. Sie repräsentierten aber nur einen winzigen Teil der Weltöffentlichkeit.
"Wir haben enorme Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft für die Olympischen Spiele bekommen", sagte der Sprecher. Die Gastgeberrolle Pekings sei die Erfüllung eines Jahrhunderttraums des chinesischen Volks, "einschließlich unserer Landsleute in Tibet".
Fünf Monate vor den Olympischen Spielen in Peking ist es in den jüngsten Tagen zu den schwersten Protesten gegen die chinesische Herrschaft in Tibet seit fast 20 Jahren gekommen. Nach amtlichen chinesischen Angaben wurden zehn Menschen getötet, die tibetische Exilregierung in Indien sprach von 100 Toten.
(AP/sid/dpa/dmo/maru)
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