Gewalt in Syrien Kämpfe in Homs, zähe Beratungen in New York

Die Kämpfe zwischen Assad-Regime und Opposition gehen trotz Waffenruhe weiter: In der Rebellenhochburg Homs hat die Armee mehrere Stadtviertel bombadiert. Vor der syrischen Küste konnten Sicherheitskräfte einen mit iranischen Waffen beladenen deutschen Frachter stoppen. Im UN-Sicherheitsrat dauern die Verhandlungen über die Entsendung von Beobachtern nach Syrien an - aber vor allem Russland stellt sich quer.

Am dritten Tag der brüchigen Waffenruhe in Syrien hat die Armee nach Oppositionsangaben erneut die Protesthochburg Homs angegriffen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden am Samstagmorgen eine Stunde lang zwei Stadtviertel bombardiert. Zu möglichen Opfern gab es keine Angaben. Ein Oppositionsaktivist der Stadt sagte, innerhalb einer Stunde habe er acht Geschosse gehört.

Bei der Explosion eines Autos nahe der Hauptstadt Damaskus soll ein Mensch getötet und zwei verletzt worden sein. Die Explosion habe sich in der Ortschaft Al-Damir ereignet, teilte die in London ansässige Beobachtungsstelle mit. Ein Aktivist berichtete, syrische Sicherheitskräfte hätten auf den Wagen gefeuert, bevor dieser in die Luft ging.

Seit Donnerstag gilt offiziell eine Waffenruhe, die Syrien-Gesandter Kofi Annan als Teil seines Sechs-Punkte-Plans vorgesehen hat.

Doch Regime und Rebellen scheint die Waffenruhe kaum zu interessieren, die Kämpfe gehen weiter. Zehntausende waren am Freitag im ganzen Land gegen Präsident Baschar al-Assad auf die Straße gegangen. Dabei wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle vier Demonstranten getötet. 20 Verletzte gab es den Berichten zufolge in Dschassem in der Provinz Daraa im Süden des Landes.

"Waffen hätten wir nie an Bord gelassen"

Ein Versuch, das Waffenembargo gegen das syrische Regime zu umgehen, ist indes vereitelt worden. Nach Informationen des Spiegel wurde ein deutscher Frachter auf dem Weg nach Syrien gestoppt. Die Atlantic Cruiser der Emder Reederei Bockstiegel hatte zuvor im Hafen von Dschibuti von einem iranischen Frachter schweres Militärgerät und Munition für das syrische Regime übernommen, wie der Spiegel berichtet. Am Freitag sollte das Schiff den syrischen Mittelmeerhafen Tartus erreichen.

Durch Überläufer in Assads Regierung wurde die geplante Umgehung des Waffenembargos bekannt. "Wir haben das Schiff gestoppt, nachdem wir Hinweise auf die Waffenladung erhielten", zitiert das Magazin Schiffsmakler Torsten Lüddeke von der C.E.G. Bulk Chartering, die für die Befrachtung des Schiffs verantwortlich ist. Der Frachter soll an die ukrainische Firma White Wale Shipping in Odessa vermietet worden sein, die versichert habe, dass die Atlantic Cruiser Tartus anlaufe und keine Waffen an Bord habe. "Die haben uns als Ladung vor allem Pumpen und ähnliche Dinge deklariert", so Lüddeke. "Waffen hätten wir nie an Bord gelassen."

Die Bundesregierung hat angekündigt, die Berichte über das Schiff zu prüfen. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministerium sagte in Berlin, man gehe selbstverständlich allen Hinweisen auf mögliche Verstöße gegen das Waffenembargo nach

In New York arbeitet der UN-Sicherheitsrat unterdessen weiter an einer Resolution, die den Weg für die Entsendung von zunächst 30 UN-Beobachtern freimachen soll. Doch Russland sträubt sich gegen einen von westlichen und arabischen Staaten formulierten entsprechenden Entwurf.

Russlands Botschafter Witali Tschurkin zeigte sich unzufrieden mit einzelnen Forderungen. "Wir müssen all das herausstreichen, was für diesen besonderen Zweck nicht wirklich nötig ist", sagte er. UN-Diplomaten zufolge unterstützt Russland zwar den Plan des Sondergesandten Kofi Annan. Allerdings fürchte es, dass der Westen auf einen Machtwechsel in Syrien nach dem Vorbild Libyens hinarbeite. Nach französischen Angaben soll die Abstimmung im Laufe des Samstags erfolgen.

Unterwegs mit Rebellen

mehr...