Gewalt in der Hauptstadt Wenn Autos brennen

In Berlin gibt es mehr linke als rechte Gewalt, so eine Studie. Diese sei allerdings weniger brutal als rechte und richteten sich zumeist nicht gegen Individuen.

Von Julia Amalia Heyer

Für den Berliner Innensenator Ehrhart Körting liegt die Lösung des Problems auf der Hand: Linke Gewalt müsse genauso "eindeutig und klar" verurteilt werden wie rechte Gewalt. Die Ächtung linksmotivierter Gewalttäter sei deshalb auch Sache der Gesellschaft; jegliche Romantisierung sogenannter Systemgegner sei fehl am Platz.

Mit dem Problem der linken Gewalt beschäftigt sich eine Studie des Landesverfassungsschutzes Berlin, die Körting am Mittwoch vorgestellt hat. Über einen Zeitraum von sechs Jahren wurden Daten zusammengetragen; nun werden auf 84 Seiten 835 "linksmotivierte Gewalttaten" ausgewertet. Die Studie zieht auch Vergleiche zwischen linker und rechter Gewalt: So waren von 2003 bis 2008 der Untersuchung zufolge die politisch linksmotivierten Straftaten in der Überzahl. Diese seien allerdings weniger brutal gewesen und richteten sich zumeist nicht gegen Individuen. Bei den Rechtsextremisten hingegen seien fast alle Gewalttaten Körperverletzungsdelikte.

Die Linksextremisten nähmen dagegen "großen Sachschaden" in Kauf, sagte Körting. Zwei Drittel aller linken Gewaltakte richten sich laut Studie gegen öffentliche Institutionen, oft auch gegen Polizisten. Unternehmen wie Siemens oder die Deutsche Bahn seien bereits Opfer von Anschlägen geworden. Die meisten Gewalttaten der linken Szene werden laut Studie im Zusammenhang mit Demonstrationen begangen. Seit 2007 hat auch die Brandstiftung, besonders an Fahrzeugen, "drastisch zugenommen", wie es heißt. Dabei handle es sich, wie Körting am Mittwoch sagte, immer öfters um Trittbrettfahrer als um "echte Krawallmacher".

Das Profil eines linken Gewalttäters beschreibt die Studie als "männlich, 18bis 24 Jahre alt, Bildungsstand normal". Er lebt vor allem in den Bezirken Friedrichshain, Kreuzberg oder Mitte. Die Berliner Verfassungsschutzchefin Claudia Schmid unterstrich, dass es sich bei linker Gewalt um ein "Großstadtphänomen" handele. Dementsprechend müsse man in eben diesen "verdichteten Räumen", wie zum Beispiel in Friedrichshain, eine Debatte darüber führen. Leider gebe es, so Schmid, ein gesellschaftliches Umfeld, das diese Taten nicht nur rechtfertige, sondern auch begrüße. "Prävention braucht Unterstützung von allen", sagte Schmid.

Dass die Studie vom Berliner Verfassungsschutz erstellt worden ist, kommt nicht von ungefähr: Die Hauptstadt ist mit Abstand bundesweit die Hochburg des Linksextremismus, und nicht nur wegen der jährlichen Ausschreitungen am 1. Mai. Auf Platz zwei folgt Mecklenburg-Vorpommern.