Gewalt gegen Frauen Afghanische Polizistin ermordet

Sie war eine der wenigen weiblichen Polizeioffiziere und galt als Symbol für das moderne Afghanistan. Jetzt ist Islam Bibi tot - erschossen, als sie auf dem Motorrad ihres Schwiegersohnes in die Arbeit fuhr. Sie war zuvor mehrmals bedroht worden.

Eine der bekanntesten Polizistinnen Afghanistans ist am Donnerstag getötet worden. Leutnant Islam Bibi sei auf dem Motorrad ihres Schwiegersohnes auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als Unbekannte von einem anderen Motorrad aus auf sie geschossen hätten, teilte die Provinzregierung mit.

Die 37-jährige sei schwer verletzt worden und später in einem Krankenhaus gestorben. Auch ihr Schwiegersohn sei verletzt worden.

Die Mutter dreier Kinder galt als ein Beispiel für die neuen Freiheiten afghanischer Frauen nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban Ende 2001. Sie sah sich jedoch regelmäßig Todesdrohungen ausgesetzt, auch von ihrem eigenen Bruder. Bibi war die dienstälteste Polizistin in der Provinz Helmand. "Mein Bruder, mein Vater und meine Schwester waren gegen mich. Mein Bruder versuchte drei Mal, mich umzubringen", hatte sie vor einiger Zeit in einem Interview mit der Zeitung Sunday Telegraph gesagt.

Rückkehr nach dem Sturz der Taliban

Bibi, die als junge Frau nach Iran geflüchtet war, kehrte 2001 nach Afghanistan zurück. Vor neun Jahren begann sie ihre Karriere bei der Polizei - wegen der Verdienstmöglichkeiten und aus Liebe zu ihrem Heimatland, wie sie sagte.

Die Stärkung der Frauenrechte in Afghanistan ist eines der Hauptanliegen der internationalen Gemeinschaft. Frauen, die öffentliche Ämter annehmen, setzen sich in dem Land nach wie vor einer Gefahr aus. Bereits im Jahr 2008 war eine hochrangige Polizistin in der Provinz Kandahar umgebracht worden. Im vergangenen Jahr waren innerhalb weniger Monate zwei Leiterinnen der örtlichen Frauenbehörde in der Provinz Laghman getötet worden.