Getöteter US-Fotograf Foley Eltern machen E-Mail der IS-Entführer öffentlich

Eine Woche vor der Ermordung James Foleys schickten die IS-Kämpfer eine E-Mail an die Eltern des Fotografen. Adressat war jedoch die US-Regierung, die Lösegeldzahlungen ablehnt. Nun wird das Schreiben publik - es soll Einblicke in das Denken von IS geben und Foleys "ganze Geschichte" erzählen.

Am Dienstag hat die US-Nachrichtenseite GlobalPost eine E-Mail der mutmaßlichen Mörder des getöteten Journalisten James Foley veröffentlicht. Laut GlobalPost haben Foleys Eltern einer Veröffentlichung zugestimmt. "Gegenüber Muslimen kennt ihr nur die Sprache der Gewalt", heißt es in der Nachricht, die von den radikalsunnitischen Milizen des selbst ernannten "Islamischen Staats" (IS) stammen soll.

Adressiert ist die Nachricht an die US-Regierung und an jene Amerikaner, die ihrer Führung "wie Schafe folgen". Die Eltern sollen die E-Mail eine Woche vor der Ermordung ihres Sohnes von IS-Kämpfern erhalten haben. In der Nachricht kündigen die Entführer an, Foley als Vergeltung für die jüngsten amerikanischen Luftschläge im Irak umzubringen.

Auf ihrer Website schreibt GlobalPost, man habe sich für die Veröffentlichung der E-Mail entschlossen, um Transparenz zu schaffen und die "ganze Geschichte von Jim zu erzählen". "Wir glauben, der Text liefert Einblick in die Motivation und Taktik des 'Islamischen Staates'", schreibt die Redaktion von GlobalPost dort.

Über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook gelingt es der Terrormiliz IS, ihre Propaganda weltweit zu verbreiten. Experten befürchten, dass sich dadurch immer mehr Sympathisanten den Kämpfern anschließen. Auch das Enthauptungsvideo von Foley ging via Youtube und Twitter innerhalb kurzer Zeit um die Welt. Dass die E-Mail nun veröffentlicht wird, ist daher im Sinne der IS-Kämpfer und passt zu ihrer Propaganda-Strategie.

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US-Regierung lehnt Lösegeldzahlungen strikt ab

Zudem enthält die Nachricht Ungenauigkeiten: Laut GlobalPost hatten Foleys Eltern ein Jahr lang keinen Kontakt zu den Entführern, bis sie im November aufgefordert wurden, 100 Millionen Euro Lösegeld für ihren Sohn zu zahlen. In der E-Mail aber heißt es, Foleys Familie hätte genügend Möglichkeiten gehabt, über die Freilassung des Journalisten zu verhandeln.

Lösegeldzahlungen und Verhandlungen mit Terroristen allerdings lehnt die US-Regierung stets ab. Stattdessen versuchte eine US-Spezialeinheit im Juli, Foley aus der Gefangenschaft zu befreien. Die Aktion scheiterte, die Soldaten konnten den US-Journalisten nicht finden.

Foley war für GlobalPost als Reporter im Nahen Osten im Einsatz. Vor knapp zwei Jahren wurde er von Islamisten gefangen genommen. Anfang dieser Woche wurde er vor laufender Kamera getötet. Zunächst war unklar, ob das Video, in dem die Ermordung Foleys zu sehen ist, als echt einzustufen ist. Am Mittwoch bestätigten Vertreter der US-Regierung, dass der Journalist durch IS-Kämpfer ermordet wurde.

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Unterdessen wurde bekannt, dass Papst Franziskus am Donnerstag mit den Eltern von James Foley telefoniert hat. Franziskus habe in Englisch und Spanisch mit Foleys Eltern und weiteren Familienangehörigen gesprochen, teilet der Vatikan mit. Der getötete Reporter hatte bei Jesuiten studiert.

Empörung über Netanjahu wegen Veröffentlichung von Foley-Foto

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu löste mit einem brisanten Tweet Empörung aus. Die Nachricht wurde so verstanden, als setze er die Palästinenserorganisation Hamas mit dem IS gleich. Netanjahu verwendete ein Foto Foleys kurz vor dessen Ermordung durch die IS-Extremisten. Unter dem Foto Foleys waren militante Palästinenser in Gaza zu sehen, die angebliche Kollaborateure schänden.

Das Foto von der Ermordung Foleys wurde später zurückgezogen und durch die Flagge der Islamistenmiliz ersetzt. Ein israelischer Regierungsbeamter sagte, man habe die Gemeinsamkeiten von IS und Hamas aufzeigen wollen. "Aber als wir die Brisanz des Fotos verstanden haben, haben wir ein anderes genommen."

Viele Medien hatten sich entschlossen, Fotos und Videos der Exekution Foleys nicht zu zeigen. Mehrere Journalisten hatten empört auf den Tweet reagiert. "Ist Netanjahu verrückt geworden, dass er James Foleys Tod benutzt, um Propagandapunkte zu sammeln?", schrieb Janine di Giovanni, eine US-amerikanische Kriegsreporterin, auf Twitter. Auch Paul Danahar, ehemaliger Nahostchef der BBC, nannte das Foto "geschmacklos".

Linktipp:

Lösegeld zahlen oder nicht? SZ-Nahost-Korrespondentin Sonja Zekri analysiert die schwierige Entscheidung, vor der Regierungen stehen, wenn deren Bürger von Dschihadisten entführt werden.