Gesprächsprotokolle des Altkanzlers Streit um Kohl-Tonbänder geht in die nächste Runde

Helmuth Kohl auf der Frankfurter Buchmesse im Jahre 2010. In diesem Jahr will der Altkanzler offenbar eine Neuauflage seiner "Erinnerungen" in Frankfurt vorstellen.

(Foto: Getty)
  • Helmut Kohl will neues Buch seines früheren Biografen Heribert Schwan stoppen.
  • Der Altkanzler will in der kommenden Woche offenbar persönlich eine Neuausgabe seiner "Erinnerungen" vorstellen.
  • Kohl soll in den Gesprächen mit Schwan drastisch mit Parteifreunden abgerechnet haben.

Streit um die Tonbänder

Der Journalist Heribert Schwan genoss viele Jahre lang das uneingeschränkte Vertrauen von Helmut Kohl. Doch diese Zeiten sind lange vorbei: Inzwischen gehen die zwei Männer im Monatsrythmus juristisch gegen einander vor. Der letzte Vorstoß kommt nach einem Bericht des Focus nun vom Altkanzler. Wie das Magazin berichtet, beauftragte Kohl seine Anwälte, die Veröffentlichung eines neuen Buches seines früheren Biografen beim Heyne Verlag zu stoppen.

Grund des Streits sei der Verdacht, Schwan habe für die Publikation jene 200 Tonbänder aus Gesprächen mit Kohl verwertet, deren Nutzung ihm nach seinem Bruch mit dem Altkanzler vom Oberlandesgericht Köln im Sommer untersagt wurde.

Kohl kurz vor Veröffentlichung eigener Schriften

Der langjährige CDU-Vorsitzende stellt laut Focus am kommenden Mittwoch persönlich die Neuausgabe seiner Erinnerungen auf der Frankfurter Buchmesse vor. Am 3. November folge dann die Präsentation seines neuen Buches "Aus Sorge um Europa - ein Appell".

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Drastische Abrechnung

Wie Der Spiegel schreibt, hat Kohl in den Schwan-Interviews teils drastisch mit Parteifreunden abgerechnet. Er klagte nach den Informationen in deutlichen Worten über CDU-Politiker wie die jetzige Kanzlerin Angela Merkel ("Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen"), seinen früheren Arbeitsminister Norbert Blüm oder den späteren Bundespräsidenten Christian Wulff ("Der ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null").

In den Interviews äußerte sich Kohl laut Spiegel auch zur friedlichen Revolution in der DDR. Nach Auffassung des Altkanzlers trug nicht in erster Linie die ostdeutsche Bürgerrechtsbewegung zum Zusammenbruch des Regimes bei - vielmehr sei dafür die wirtschaftliche Schwäche der Sowjetunion ursächlich gewesen.

Über den Streit zwischen Kohl und Schwan muss wohl der Bundesgerichtshof entscheiden. Der Journalist hat Anfang September in Karlsruhe Revision gegen das Kölner Urteil eingelegt, das am 1. August ergangen war. Danach darf Kohl die 200 Tonbänder behalten. Schwan erhebt als Ghostwriter ebenfalls Anspruch darauf. Kohl war 2001/2002 von Schwan 630 Stunden lang befragt worden.