CSU-Vize Horst Seehofer hält neoliberale Radikalreformer in der Union für die eigentlichen Reformverhinderer, warnt vor einer Polarisierung und lehnt das Kombilohn-Modell der Union ab.
SZ: Die CDU leistet sich nach der Hessen-Wahl eine heftige interne Diskussion, als ob sich ein Ventil geöffnet hätte, das sich nicht mehr schließen lässt.
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CSU-Vize Horst Seehofer. (© Foto: dpa)
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Seehofer: Ich halte von diesen Betroffenheitsritualen nach der Wahl überhaupt nichts. Ich habe für die Reaktion dieser 17 Briefeschreiber kein Verständnis. Man soll Fehler nicht mit neuen Fehlern beantworten.
SZ: In Hessen ist ein Ministerpräsident gescheitert, der eine hohe Wirtschaftskompetenz hatte. Für die Union hat das immer zu ihrem Markenkern gehört. Welche Lehre ziehen Sie aus Hessen für den Kurs der Union?
Seehofer: Ich werbe jetzt seit fast zehn Jahren, nämlich seit der verlorenen Bundestagswahl 1998, mit immer den gleichen Argumenten für eine inhaltliche Ausrichtung der Union, die uns auf Bundesebene 40 Prozent plus x und in Bayern 50 Prozent plus x ermöglichen.
Denn nur bei Überschreitung der 40 Prozent-Marke ist eine Koalition mit einem kleineren Partner denkbar. Ansonsten ist die Union in der Opposition oder in einer Großen Koalition. Ich kann diese Diskussion nicht mehr hören. Es ist der Kampf um den Charakter als Volkspartei.
SZ: Auch wenn Sie das nicht mehr hören können: Jetzt gibt es wieder Stimmen in der Union, die einen stärker wirtschaftsliberalen Kurs fordern, um sich stärker von der SPD abzugrenzen.
Seehofer: Ja, wo ist denn die Sozialdemokratisierung der Union? Ich teile hier die Meinung von Alois Glück. Die Rückkehr zu einem neoliberalen Kurs ist der sichere Weg in die Opposition. Wir haben drei Wurzeln: eine marktwirtschaftliche, eine soziale und eine konservative. Nur wenn alle drei gepflegt werden, haben wir als Volkspartei Erfolg.
Das ist naturgesetzlich. Wer diese drei Standbeine nicht gleichermaßen stark hält, wird immer wieder Enttäuschungen an der Wahlurne erleben. Ich komme mir allmählich vor wie ein Missionar.
SZ: Die Union hat demnach seit zehn Jahren die Verluste auf Bundesebene nicht ehrlich analysiert.
Seehofer: Es ist immer wieder ein Kampf zwischen Wirtschaftsflügel und Sozialflügel. Aber diejenigen, die in der Mitte zwischen diesen beiden Flügeln sitzen, nämlich im Cockpit, müssen unsere Politik gestalten und die Balance halten. Warum immer wieder die Forderung nach einer stärkeren Wirtschaftsorientierung erhoben wird, verstehe ich nicht.
SZ:Rächt es sich jetzt, dass vor allem die CDU nach dem schlechten Wahlergebnis 2005 nie eine ehrliche Debatte über die Ursachen geführt hat?
Seehofer: Es nützt jetzt nichts, die Vergangenheit nochmal aufzuarbeiten. Die CSU jedenfalls ist sich einig, dass wir bei unserem Kurs bleiben und alle drei Wurzeln pflegen. Für den konservativen Teil unseres Profils spielt das Thema innere Sicherheit und starker Staat eine Rolle, für das Sozialprofil spielen Themen wie Familie, Kinderarmut bis hin zum Mindestlohn eine Rolle.
Und in der Wirtschaft kommt es mehr denn je auf eine innovative Mittelstandspolitik an. Wir erleben ja gerade, was manche große Konzerne in einer Volkswirtschaft anstellen.
SZ: Sie haben selber den Mindestlohn angesprochen. Ist das nicht die Achillesferse der Union? Wie wollen sie da aus der Defensive kommen?
Seehofer: Ich stütze mich auf das, was in der Koalition vereinbart worden ist. Die wichtigste Botschaft für die Menschen ist: Wer vollbeschäftigt ist, sollte auch eine Bezahlung bekommen, von der er existieren kann.
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Nach Massaker in Haula
Ist es aber nicht.
Seehofer begreift die politischen Felder wie ein Monopolyspiel, nur, nach dem Spiel kann man die Karten neu mischen und der Spaß geht von neuem los.
Der Wähler nimmt Politiker anders wahr. Da ist das Problem von Anspruch und Wirklichkeit oder auch Glaubwürdigkeit.
Eine Merkel (CDU) oder ein Herr Beck (SPD) werden nicht deshalb gewählt weil sie in den Problembereichen überzeugen, sondern wegen fehlender Alternativen. Die "Volksparteien" und auch Seehofer machen sich da wirklich einen vor.
Auch die Diskussionen in der Öffentlichkeit werden so vereinfacht geführt, so dass hinterher der Zuschauer fragt, für wie blöd halten die uns denn.
Das Problem für die "Volksparteien" ist, es werden durch diese Oberflächlichkeiten die Flügel erst ermöglicht. Und bei den Flügeln fehlen "noch" die Persönlichkeiten die diese Gruppierungen erstarken lassen.
"Allein mit Wirtschaftsthemen kann man nicht gewinnen"
Logisch, die 5%, welche alles bekommen können nun mal keine Mehrheiten erzeugen. Da fehlen noch mindest 45%.
Er lehnt die Vorherrschaft des Neoliberalismus in der Union aus wahltaktischen Gründen ab.
Wo sind die Politiker, die diese verhängnisvollen Einflüsse der Lobbyisten und der INSM aus Überzeugung und in Erkenntnis der Fakten ablehnen?
Der Rentensachverständige Uwe Fachinger, politisch absolut unverdächtig, hat endeckt, dass zwischen 1992 und 2006 fast 3 Millionen versicherungspflichtige Jobs verloren gegangen sind. Der Rückgang von 29,3 auf 26,4 Millionen Arbeitsplätze, nur die versicherungspflichtigen sind gemeint, verursachte einen Beitragsausfall von 166 Milliarden, alleine in 2006 ein Ausfall von 15 Milliarden. Alles wenig erfreuliche Ergebnisse der Arbeitsmarktreformen, welche nur von Arbeitgebern und Politikern freudig begrüßt werden.
Unsere Volkswirtschaft nimmt großen Schaden, da weiterhin unsere Sozialsysteme ausbluten und der Staat immer mehr Arbeitspätze subventionieren muss, bei tendenziell sinkenden Steuereinnahmen.
Gelobt sei der Neoliberalismus.
...warne den Seehofer vor einem "Linksruck".
wie wäre es, wenn von diesem Lohn netto genug übrig bleibt? Da auch das steuerliche Existenzminimum sozialabgabenpflichtig ist bedeutet dies, dass man selbst auf Löhne in Höhe von ALG-II in cl. AG-Anteile bereits 40% Sozialabgaben bezahlt.
Dieses Abgabenproblem der Kleinverdiener liesse sich leicht lösen, wenn die Regeln der 400 Euro Jobs auf das Existenzminimum angewendet werden - also keine Sozialabgaben und Steuern, bevor nicht der eigene Hintern in finanziell halbwegs trockenen Tüchern ist.
Dazu gehört auch, dass das Existenzminimum der Familienmitglieder nicht unterschritten wird. Nach den ALG-II Vorschriften bekommt ein Kind zwischen 200 und 270 Euro Barleistungen plus ca 10qm beheizter Wohnraum zugebilligt. Als alleinerziehender Arbeitnehmer gibts zwar 150 Euro im Monat Kindergeld, aber man hat bereits ab 13.000 Euro Jahresbrutto deutlich über 20% Steuer plus ca 25% Sozialabgaben auf jeden über dem eigenen Existenzminimum liegenden Euro abzudrücken. Und da Sozialleistungen höher sind als das Kindergeld, ist man als Kleinverdiener mit Kind ganz schnell ein ALG-II Fall. Was oft nichts anderes bedeutet, als dass die Arge auf Antrag und nach finanziellem Striptease Sozialversicherungsbeiträge rückerstattet, die man bei vernünftigen Freibeträgen erst gar nicht hätte abdrücken müssen.
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