Der UN-Sondergesandte Ibrahim Gambari ist zu Gesprächen in Birma eingetroffen. "Er ist unser größter Trumpf," sagte Singapurs Außenminister. Auf den Straßen Birmas herrscht gespannte Ruhe.

Hunderte Soldaten patrouillierten nach Augenzeugenberichten durch die Straßen und verschanzten sich an strategisch wichtigen Punkten.

Auch im Nachbarstaat Thailand gingen die Menschen für die Freiheit der Birmaner auf die Straße (© Foto: dpa)

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Es habe keine Berichte über Schusswaffengebrauch des Militärs wie in den Vortagen gegeben, die Soldaten seien zur Zurückhaltung aufgefordert worden, berichtete der Oppositionssender Democratic Voice of Burma unter Berufung auf den staatlichen birmanischen Rundfunk.

Unterdessen traf der Sondergesandte der Vereinten Nationen, Ibrahim Gambari, im Birma ein, der sich um eine Entschärfung der Lage bemühen soll. Vor seiner Abfahrt zum Regierungssitz Naypyidaw besprach sich Gambari mit örtlichen UN-Mitarbeitern.

Zunächst war unklar, ob Gambari mit dem Militärherrscher Than Shwe zusammentreffen würde. Auch war unklar, ob er die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi treffen darf.

"Wir haben nicht so viel Hoffnung, aber es ist derzeit unser größter Trumpf", erklärte der Außenminister Singapurs, George Yeo, am Rande der UN-Vollversammlung in New York. "Wenn er nichts erreicht, kann die Situation ziemlich fürchterlich werden."

Mönche in den Klöstern eingeschlossen

In Rangun kam es am Samstag wieder zu vereinzelten Protesten. Hunderte Demonstranten versuchten, zum Trader-Hotel vorzudringen, da sie vermutet hatten, dass Gambari dort wohnen würde.

Ein Großaufgebot von Soldaten blockierte allerdings die Zufahrtstraße. Vor dem Hotel gingen Sicherheitskräfte gegen etwa 40 Demonstranten vor. Nach Augenzeugenberichten wurden die Menschen von Soldaten eingekreist und dann in Lastwagen an einen unbekannten Ort gebracht.

Der Sender Democratic Voice of Burma, der von der norwegischen Hauptstadt Oslo aus ausgestahlt wird, berichtete, dass am Samstag wie am Vortag keine Mönche auf den Straßen zu sehen gewesen seien. Diese seien nach ihrer anfänglich führenden Rolle bei den Demonstrationen entweder interniert oder in ihren Klöstern eingeschlossen.

Die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Verbündeten des südostasiatischen Landes, China und Japan, forderten die Militärjunta auf, die Stabilität im Land friedlich wiederherzustellen. Er hoffe, dass alle Seiten Zurückhaltung übten, sagte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao in einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Gordon Brown. Sanktionen gegen das Regime in Rangun hat China bislang abgelehnt.

In Berlin bekundeten etwa 150 Demonstranten vor der chinesischen Botschaft ihre Unterstützung für die Demokratiebewegung in Birma. Sie appellierten an Peking, die Führung in Birma zum Einlenken zu bewegen.

Die Regierung in Tokio verurteile unterdessen die Erschießung eines japanischen Videojournalisten in Birma und forderte eine Aufklärung des Vorfalles.

Aus kürzester Entfernung erschossen

Außenminister Masahiko Komura protestierte bei einem Treffen mit seinem birmanischen Amtskollegen Nyan Win am UN-Hauptquartier in New York scharf gegen die Tötung des 50 Jahre alten Journalisten Kenji Nagai, wie japanische Medien berichteten.

"So weit wir nach Medienberichten sagen können, wurde er aus kürzester Entfernung erschossen und wurde von keinen Irrläufern getroffen", sagte Komura. Nyan Win habe sich bei Komura für den Tod des Japaners entschuldigt, hieß es.

Nach staatlichen Angaben kamen bei den Protesten seit Mittwoch zehn Menschen ums Leben. Brown erklärte, die Zahl könne wesentlich höher liegen, Dissidenten sprechen von bis zu 200 Todesopfern. Die buddhistischen Mönche, die eine führende Rolle bei den Demonstrationen geführt hatten, waren am Samstag in ihren Klöstern eingeschlossen.

"Ich denke nicht, dass wir noch eine Chance haben, zu gewinnen", sagte eine junge Frau, die an einer großen Demonstration am Donnerstag teilgenommen hatte. Sie wurde dabei von ihrem Freund getrennt und hat ihn seitdem nicht mehr gesehen. "Die Mönche gaben uns Hoffnung."

Ein anderer Passant sagte: "Die Menschen sind in einem Zustand von Angst und Hass. Vor ein paar Tagen waren alle noch freundlich. Jetzt will niemand mehr mit Fremden reden." Seinen Namen wollte der Passant nicht genannt wissen.

Javier Solana appelliert an China

Soldaten standen sowohl in Rangun als auch in Mandalay Wache vor den Klöstern und blockierten die umliegenden Straßen mit Stacheldrahtsperren. Am Samstag blieben Geschäfte und öffentliche Parks leer. Kaum jemand schien sich auf die Straße zu wagen. Die Junta hat zudem den öffentlichen Zugang zum Internet unterbrochen, was internationale Kritik ausgelöst hat.

EU-Chefdiplomat Javier Solana appellierte an China, zur Beendigung des Blutvergießens in Birma beizutragen. "Alle Staaten, die Einfluss auf die Entscheidungen der birmanischen Machthaber nehmen können, müssen jetzt handeln. Dies gilt selbstverständlich besonders für die unmittelbaren Nachbarn wie China", sagte er laut Bild am Sonntag.

Hunderte Menschen wurden in den vergangenen Tagen verhaftet. In der Nacht zum Samstag wurde nach Angaben von Angehörigen auch die Oppositionspolitikerin Win Mya Mya abgeführt. Sie ist ein prominentes Mitglied der Nationalen Liga für Demokratie, der Partei von Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi.

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(dpa/AP)