20 Jahre nach dem Fall der Mauer streitet Deutschlands politische Klasse nicht über das Wesen eines Staates, sondern die Wahl eines Wortes.
Gesine Schwan möchte nicht sagen, dass die DDR ein "Unrechtsstaat" war. Marianne Birthler findet, dass das eigentlich jeder sagen muss, vor allem die Politiker der Linkspartei. Und Matthias Platzeck beklagt, die Ostdeutschen seien von dem Palaver schon ganz kirre. Das sind, kurz zusammengefasst, die Debattenbeiträge des Wochenendes zum Thema "Unrechtsstaat DDR".
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Präsidentschaftskandidatin, Stasi-Unterlagenbeauftragte und Brandenburgs Ministerpräsident haben eine Diskussion fortgesetzt, die nirgendwo mehr hinführt. Im Jahre 20 nach dem Fall der Mauer streitet Deutschlands politische Klasse nicht über das Wesen eines Staates, sondern über die Wahl eines Wortes.
Das ist schade. Zwei Jahrzehnte nach seinem wohlverdienten Untergang wird das SED-Regime von vielen verharmlost, von manchen gar verherrlicht. Bei Schülern in Ost wie West klaffen gigantische Wissenslücken.
Klarstellung tut also Not. Und wenn es nur ein Wort sein soll, dann bitte dieses: Diktatur. Die SED-Herrschaft fußte auf Unterdrückung, Spitzelei und Entrechtung Andersdenkender. Um dies darzustellen, bedarf es der Vokabel "Unrechtsstaat" nicht.
Als Chiffre für die totale Ablehnung der DDR ist sie zum Kampfbegriff geworden. Das U-Wort wird verdammt zum Zwecke der Anbiederung an ostalgische Befindlichkeit. Und es wird andererseits eingefordert, um den politischen Gegner in eine anrüchige Ecke zu stellen.
Gesine Schwan verweigert sich dem platten Gewissens-TÜV. Das könnte mit ihrer Absicht zu tun haben, sich auch von der Linkspartei zur Bundespräsidentin wählen zu lassen. Den Tatbestand der DDR-Verherrlichung erfüllt das noch nicht.
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(SZ vom 18.05.2009/dmo)
Bundespräsident Gauck in Israel
Ja, wir waren unfrei in der DDR und Bürgerrechte waren massiv eingeschränkt. Wir dürfen gleichzeitig froh sein, dass es nicht so schlimm war wie z.B. in der Sowjetunion.
Mit Vokabeln Geschichtswissen vermitteln zu wollen, erinnert mich eher an meine Schulzeit in der DDR als an Wissensvermittlung, die den Namen verdient. Die richtige Vokabel zum richtigen Zeitpunkt abzusonder, darauf waren wir trainiert.
Nein, Analyse will keiner. Neue Bekenntnisse zu irgendetwas sind gefragt. Das ist hinterwäldlerisch und vor allem dumm.
Mit wem hat der Westen sich denn vereinigt? Mit 2,3 Millionen SED-Mitgliedern, mit ein paar Hunderttausend Mitgliedern der Blockparteien und und und.
U-Vokabeln sind ein einfacher und zu schmerzloser Weg.
Da dürfte (Achtung moderator Zensor: Konjunktiv!) man die alte Bundesrepublik ja auch als eine Wiederaufarbeitungsanlage für Restnazijuristen und nennen.
Geschichte ist zu interessant um sie Propagandisten vom Schlage Knabe zu überlassen.
Nein, eine Diktatur ist nicht zwangsläufig immer Unrecht und ja, die DDR war eine Diktatur. Es ist einfach nicht wahr, daß die DDR-Untertanen pausenlos unterdrückt wurden, aber es ist eben so wahr, daß es keine einklagbaren staatsbürgerlichen Freiheitsrechte gab. Auch ist es zutreffend, daß sich phasenweise viele DDR-Menschen (von Bürgern kann man nicht reden) mit dem System arrangierten. Trotzdem kann es nicht der Maßstab der Beurteilung sein, wie Menschen sich "fühlten" (dies auch gegen die heutigen Sonntagsumfragen gesagt: "Fühlen Sie sich eher als Ostdeutscher oder als Deutscher?" Allensbach) - sondern welche realen Rechte sie hatten.
Der Widerstand, die DDR NICHT in Bausch und Bogen abzuurteilen, rührt allerdings auch daher, daß man in diesem Falle die andere deutsche Diktatur ebenfalls differenzierter betrachten müßte. Und davor scheucht man sich. Immer noch.
Diktatur. Die SED-Herrschaft fußte auf Unterdrückung, Spitzelei und Entrechtung Andersdenkender. Um dies darzustellen, bedarf es der Vokabel "Unrechtsstaat" nicht. Gesine Schwan verweigert sich dem platten Gewissens-TÜV. Das könnte mit ihrer Absicht zu tun haben, sich auch von der Linkspartei zur Bundespräsidentin wählen zu lassen.
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Wenn die Frau jetzt schon nur weichgespülte Antworten von sich gibt, dann gibt das ja Hoffnung. Und, Herr Brössler, Sie selber nennen die DDR eine Diktatur. Ist eine Diktatur also nicht immer Unrecht? Denken Sie mal drüber nach!