Geschmacklose Politiker-Äußerungen Schwarz-Weiß-Rot. War da was?

Auch der bislang jüngste Fall in dieser Reihe spielt auf einer Weihnachtsfeier. Die Junge Union Münster hat diese in den Räumen einer Studentenverbindung abgehalten. Dabei entstand auch ein Foto, das den neu gewählten Vorstand zeigt und auf Facebook veröffentlicht wurde. Resultat: Ein Shitstorm mit inzwischen fast 1500 Kommentaren. "Drecksverein", "Bande von Vollidoten, "Widerlich" - das sind noch die eher milderen Facebook-Posts.

Wie kam es dazu? Die JU-Vorständler in der Stadt hatten sich zum Portrait vor zwei Flaggen postiert, links die der Bundesrepublik mit den Farben Schwarz-Rot-Gold, rechts eine zweite, mit den Farben Schwarz-Weiß-Rot.

Schwarz-Weiß-Rot? War da was? Richtig, das sind jene Farben, die sich auch in der Reichskriegsflagge in der Zeit des Nationalsozialismus finden und die zum Beispiel auch die NPD in ihren Bannern verwendet. Die Junge Union in der Universitätsstadt rechtfertigt sich damit, dass Schwarz-Weiß-Rot nun mal die Verbindungsfarben des Vereins Deutscher Studenten zu Münster seien, die dieser bereits seit dem Jahre 1902 führt - und damit nach Meinung der JU unverdächtig ist. Außerdem seien Schwarz, Weiß und Rot auch die offiziellen Farben des Deutschen Kaiserreiches gewesen, bis sie in der Weimarer Republik 1919 durch Schwarz-Rot-Gold ersetzt wurden.

Das ist zwar historisch richtig. Dennoch wird sich manch Ultrarrechter über die Bilder gefreut haben. Wenn die Junge Union in Münster das nicht will, warum hat sie dann nicht einen anderen Hintergrund für ihr Gruppenfoto gewählt?

Wer sich auf der JU-Facebook-Seite umsieht, erkennt, dass das aktuelle schwarz-rot-weiße Flaggenfoto nicht das einzige seiner Art ist. Auch bei früheren Feiern, die im Haus der Verbindung ausgerichtet wurden, sind JU-Vertreter vor schwarz-weiß-roten Bannern zu sehen (Ein Facebook-User hat die Beispiele gesammelt). Ist es Lust an der Provokation oder ein seltsames Geschichtsverständnis? Für eine Stellungnahme war am Freitag bei der JU in Münster niemand erreichbar.

Und so gehört zum stets ähnlichen Ritual nach missglückten Nazi-Vergleichen: Derjenige, der den Fauxpas begangen hat, nimmt seine Äußerungen unter großem Bedauern zurück und entschuldigt sich. Meistens nachdem er vorher erfolglos versucht hat, sich zu rechtfertigen und damit herauszureden, dass die Worte "aus dem Zusammenhang gerissen" wurden und in keinen Falle eine Gleichsetzung mit dem Nationalsozialismus beabsichtigt war. Eine weitere Möglichkeit: Abtauchen, bis sich die Aufregung gelegt hat.