Geschmacklose Politiker-Äußerungen Völkischer Beobachter 2.0

Der Berliner Piraten-Abgeordnete Gerwald Claus-Brunner hat dieser Tage mit einem kruden Vergleich Schlagzeilen gemacht. Via Twitter bezeichnete Claus-Brunner die Berliner Boulevardzeitung B.Z. als "Völkischen Beobachter 2.0". Der Völkische Beobachter war die Propaganda-Zeitung im Dritten Reich - jenes Organ, dass die NSDAP nutzte, um ihre antisemitischen und rassistischen Hetzparolen unters Volk zu bringen. Die Vorgeschichte zu Claus-Brunners Äußerung ist ein kritischer B.Z.-Bericht über die Äußerung einer Piraten-Mitarbeiterin, die den Berliner Polizeipräsidenten Klaus Kandt als "rassistisches Arschloch" bezeichnet hatte.

Öffentlich äußern will sich der Piraten-Politiker dazu nicht mehr. In einem Tweet hat er den Vergleich inzwischen zurückgenommen: "Liebe BZ der Vergleich mit dem Völkischen Beobachter ist unpassend und nicht in Ordnung, ich entschuldige mich dafür!", schreibt er.

Eine Fraktionsmitarbeiterin sagte Süddeutsche.de außerdem, Claus-Brunner habe sein Bedauern auch in einem Telefonat mit der Zeitung zum Ausdruck gebracht. Er habe eingeräumt, dass der Vergleich hinke und er eine solche Äußerung nie hätte machen dürfen. Der Satz sei gefallen, weil er sich über die betreffende Mitarbeitern geärgert habe und frustriert gewesen sei, weil Medien wie die B.Z. fast nie über die eigentliche politische Arbeit der Piraten berichteten.

Als Brunner den Tweet absetze, hat er in seinem Eifer wohl nicht an die lange Liste von Piraten-Politikern gedacht, die wegen geschmackloser Nazi-Vergleiche in der Kritik standen. Jetzt gehört er selbst dazu.