Gescheiterter Annäherungsversuch Gespräche zwischen Nord- und Südkorea abgesagt

Es wäre das erste Treffen auf Regierungsebene seit sechs Jahren gewesen: Nach monatelangen Spannungen wollte die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye mit Nordkorea unter anderem über die Zukunft des Industriegebietes Kaesong reden. Jetzt fallen die Gespräche überraschend aus.

Die für Mittwoch und Donnerstag geplanten hochrangigen Gespräche zwischen Nord- und Südkorea sind abgesagt. Dies teilte eine Sprecherin des südkoreanischen Vereinigungsministeriums am Dienstag in Seoul mit. Es wären die ersten Gespräche auf Regierungsebene seit 2007 gewesen. Ob das Treffen nur verschoben oder ganz abgesagt wird, ist bisher noch unklar. Nach Angaben aus südkoreanischen Regierungskreisen hatte es Streit mit dem Norden über die Zusammensetzung der Delegationen gegeben.

Südkorea wollte das Treffen eigentlich nutzen, um gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Sie hoffe, beide Länder würden "einen ersten Schritt in Richtung dauerhaften Frieden und zum Aufbau von Vertrauen machen", hatte Staatspräsidentin Park Geun Hye laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zuvor noch bei einem Kabinettstreffen in Seoul gesagt.

Bis zum frühen Abend (Ortszeit) war allerdings noch unklar, wen Nordkorea schicken würde. Seoul hatte ursprünglich Ministergespräche vorgeschlagen. Letztlich hatten sich beide Seiten auf "Gespräche auf Regierungsebene" geeinigt.

Bei den Gesprächen in Seoul sollte es nach Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA vor allem um die Zukunft des Industriegebietes Kaesong gehen. Pjöngjang hatte die in seinem Staatsgebiet liegende Sonderwirtschaftszone im April geschlossen und 53.000 nordkoreanische Arbeiter nach Hause geschickt. Weitere Themen der Gespräche in Seoul sollten laut KCNA die Wiedervereinigung von im Krieg getrennten Familien sowie die Wiederaufnahme von Reisen südkoreanischer Touristen ins Kumgang-Gebirge sein.

Das international weitgehend isolierte Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten einen harten Konfrontationskurs gefahren. Die kommunistische Führung in Pjöngjang provozierte dabei die Weltgemeinschaft unter anderem mit Raketenstarts sowie einem Atomtest und drohte mit Atomangriffen auf Südkorea und die USA. In den vergangenen Tagen sendete Pjöngjang dann plötzlich wieder Signale der Entspannung aus.