Geschacher um Obamas Senatssitz "Ich will Geld machen"

Der Gouverneur von Barack Obamas Heimatstaat Illinois macht krumme Geschäfte, jetzt holte ihn das FBI ab. Rod Blagojevich soll den Senatssitz des künftigen US-Präsidenten meistbietend verscherbelt haben.

Von Reymer Klüver

Es war noch stockdunkel in Chicago, als die Männer vom FBI beim Gouverneur in der vornehmen North Side der Stadt klingelten. Rod Blagojevich, Gouverneur des Bundesstaats Illinois, war offenkundig kein bisschen überrascht von dem ungebetenen Besuch im Morgengrauen.

Geld für den Gouverneur und seine Frau

Höflich fragte er die Beamten, ob er sich noch anziehen dürfe. Dann ließ er sich widerstandslos festnehmen und ins FBI-Hauptquartier in Downtown Chicago bringen. Längst hatten es in der für ihre bestechlichen Politiker berüchtigten einstigen Gangstermetropole alle Spatzen von den Dächern gepfiffen: Der als Saubermann angetretene Rod Blagojevich macht krumme Geschäfte. Nun wurde er unter Korruptionsverdacht festgenommen.

Unter anderem wird dem Demokraten der Versuch vorgeworfen, den freiwerdenden Senatssitz von Barack Obama meistbietend feilgeboten zu haben. Der Gouverneur von Illinois kann den Senatssitz quasi nach Gutdünken besetzen. Gewählt werden muss ein neuer Senator erst bei den nächsten Kongresswahlen in zwei Jahren. Der Chicago Tribune zufolge hat Blagojevich Geld für sich und seine Frau gefordert.

"Ich will Geld machen"

Die Berufung eines gewerkschaftsfreundlichen Senats-Kandidaten soll Blagojevich davon abhängig gemacht haben, dass er im Gegenzug selbst als Gesundheitsminister im Kabinett Obamas oder als hochbezahlter Gewerkschaftsfunktionär unterkommt. Die Staatsanwaltschaft in Chicago stützt sich bei ihren Vorwürfen unter anderem auf abgehörte Telefongespräche Blagojevichs. In einem der vom FBI mitgeschnittenen Gespräche soll er gesagt haben: "Ich will Geld machen."

Laut Ermittlungsunterlagen hat Blagojevich sogar erwogen, sich selbst als Nachfolger Obamas im Senat einzusetzen. "Wenn sie mir nichts Ordentliches anbieten, könnte ich das selber machen", soll er seinem Vize-Gouverneur Pat Quinn gesagt haben. Blagojevich ist seit längerem im Visier der Ermittler. Noch am Montag hatte er in einem Interview gesagt, dass er "stets gesetzestreu" vorgegangen sei.

"Das Ausmaß ist atemberaubend"

Die Tragweite ist immens. Unter anderem soll der 51-Jährige versucht haben, bis Jahresende 2,5 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden von Firmen oder Einzelpersonen einzutreiben, die staatliche Aufträge oder Steuernachlässe erhalten hatten. Auch die Vergabe von Aufträgen in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar für den Autobahnbau in Chicago soll von Wahlkampfspenden abhängig gewesen sein.

"Wenn sie das nicht bringen, vergiss sie", soll Blagojevich laut Staatsanwaltschaft gesagt haben. Als Gegenleistung für staatliche Beihilfen zum Verkauf des Baseballstadions der Chicago Cubs, das der in finanzielle Bedrängnis geratenen Chicago Tribune gehört, soll er die Entlassung kritischer Kommentatoren bei der Zeitung verlangt haben.

"Das Ausmaß der Korruptionsvorwürfe ist atemberaubend", erklärte der für seine schonungslosen Ermittlungen bekannte Bundesanwalt Patrick Fitzgerald, der die Ermittlungen gegen Blagojevich leitet. Fitzgerald hatte als Sonderermittler die Verurteilung des früheren Büroleiters von Vizepräsident Dick Cheney, Lewis "Scooter" Libby, wegen Meineids durchgesetzt.

Fitzgerald hatte auch bereits den Vorgänger Blagojevichs im Gouverneursamt, den Republikaner George Ryan, nach Korruptionsermittlungen ins Gefängnis gebracht. Blagojevich hatte 2003 sein Amt mit dem Versprechen angetreten, in der als notorisch korrupt geltenden Verwaltung des Bundesstaats aufzuräumen.