Ein Kommentar von Martin Winter

Die Europäische Union hat etwas ungewöhnlich Kluges getan - sie hat eine internationale Untersuchung des Krieges in Georgien verlangt.

Mitten hinein in die sich immer weiter aufbauenden und von manchen vorsätzlich aufgebauschten Spannungen zwischen Russland und dem Westen hat die Europäische Union etwas ungewöhnlich Kluges getan. Sie verlangt eine internationale Untersuchung des Krieges in Georgien.

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Passanten am Straßenrand in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali: (© Foto: dpa)

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Natürlich wird diese Übung kaum gerichtsverwertbare Schuldbeweise erbringen. Dennoch muss dieser Weg beschritten werden, weil als Vermittler nur glaubhaft auftreten kann, wer beide Seiten anzuhören bereit ist.

Und Vermittler wollen und müssen die Europäer sein. Die Botschaft von ihrer Bereitschaft zur Unparteilichkeit, die sie dem Gipfeltreffen zwischen Nicolas Sarkozy und Dmitrij Medwedjew an diesem Montag vorausgeschickt haben, garantiert zwar nicht, dass sich Moskau aus seiner Trotzhaltung löst.

Aber es macht dem französischen Präsidenten die Sache zumindest leichter, wenn er sich nicht des Verdachts erwehren muss, als georgischer Agent angereist zu sein.

Die Europäer haben aber noch ein anderes, sehr eigenes Interesse an dieser Untersuchung. Nach diesem Krieg werden sie ihr Verhältnis zu Russland und zu Georgien nur dann neu und stabil bestimmen können, wenn sie wissen, wer was warum in Gang gesetzt hat. Mit einem Wort: Mit wem haben wir es eigentlich zu tun?

Die kurz nach Ausbruch des Krieges geläufige Formel vom imperialen Russland, dass das arme Georgien überfallen hat, trägt nicht mehr. Wir wissen inzwischen, dass der georgische Generalstab gegen das militärische Abenteuer eines Einmarsches in Südossetien war. Dem georgischen Volk muss geholfen werden - eine kritiklose Solidarität mit dessen Präsidenten Michail Saakaschwili aber kann sich die EU nicht leisten.

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(SZ vom 08.09.2008/sma)