Von Nico Fried

Während es zwischen Kanzler Schröder und Präsident Bush gelinde gesagt eine Serie gegenseitiger Enttäuschungen gab, harmoniert das deutsch-amerikanische Gespann seit der Machtübernahme Angela Merkels wieder bestens.

Im Februar 2003 erlebte die Bundestagsfraktion der SPD ein denkwürdiges Wortgefecht. Der Abgeordnete Hans-Ulrich Klose, überzeugter Transatlantiker, bezichtigte seinen damaligen Bundeskanzler schwerer Fehler im Umgang mit der US-Regierung. Er sei nicht für einen Krieg gegen den Irak, so Klose, aber Gerhard Schröders Politik habe Deutschland in eine Abseitsposition geführt. Der Kanzler persönlich verteidigte damals seinen Kurs und faltete den Widerständler zusammen: "Du solltest dich schämen!"

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Der Irak-Krieg der USA entzweite Kanzler Schröder und US-Präsident Bush (© Foto: dpa)

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Der Krach in der SPD steht stellvertretend für viele Debatten zu jener Zeit - und symbolisch für einen Bruch in der deutschen Sicht des amerikanischen Partners. Der wirkt bis heute nach. Mit George W. Bush verloren die alten Gewissheiten einer manchmal schwierigen, aber stets stabilen Partnerschaft an Bedeutung. Die Politik des 43. US-Präsidenten führte zu einer Erschütterung des Glaubens in die außenpolitische Kompetenz der USA.

Die Traditionalisten wollten zu viel Distanz vermeiden, standen aber damit gegen die große Mehrheit der Bevölkerung. Die Regierung genoss Rückhalt mit ihrer Skepsis, riskierte jedoch zeitweilig die außenpolitische Isolation. Es war ein Prozess der Reibung, aber auch der Reifung.

George W. Bush und die Deutschen - eine Zeit der Extreme: Trauer um die Opfer des 11. September, bald darauf Wut über einen Präsidenten, der die Vergeltung der Terroranschläge unter falschem Vorwand für den Versuch einer gewaltsamen Neuordnung im Mittleren Osten missbrauchte. Ein Kanzler, der vom Partner des Präsidenten zu einem seiner bittersten Kritiker wurde - und eine Kanzlerin, die gegen die verbreitete Stimmung im eigenen Land die Freundschaft des Mannes im Weißen Haus suchte.

Am heutigen Dienstag nun kommt Bush zu Besuch ins Gästehaus der Bundesregierung nach Meseberg - und die große Mehrheit der Deutschen dürfte froh sein, dass es der letzte ist. Das Ansehen der USA ist unter Bush massiv gesunken. Zu keinem anderen Präsidenten der letzten Jahrzehnte hatten die Deutschen so wenig Vertrauen.

Bush hat auch die deutsche Politik geprägt. In nichts unterschieden sich Schröder und Angela Merkel so deutlich wie im Umgang mit diesem Präsidenten. Für die SPD war das Nein zum Irak-Krieg lange identitätsstiftend. Umgekehrt ist die Akzeptanz der Außenpolitik Merkels wohl auch darauf zurückzuführen, dass die Befürchtungen besonders groß waren. In einem Artikel für die Washington Post hatte die damalige Oppositionsführerin geschrieben, Schröder spreche in der Irak-Frage nicht für alle Deutschen. Das war nicht ganz falsch und doch ein Fehler, für den Merkel von den Kommentarspalten bis zu den Karnevalsumzügen büßen musste. Als Kanzlerin entschied sie sich später, Bush aus außenpolitischer Überlegung näher, aus innenpolitischem Kalkül nicht zu nahe zu kommen.

11. September 2001 - Zäsur für die Außenpolitik

Schröders Verhältnis zu den USA war in den ersten Jahren seiner Kanzler-Zeit weniger von inneren Überzeugungen als von äußeren Verpflichtungen bestimmt. Die erste rot-grüne Regierung stand außenpolitisch unter verschärfter Beobachtung, machte gerade deshalb Kontinuität zum obersten Prinzip und folgte den Amerikanern noch unter Bill Clinton in den Kosovo-Krieg - eine Entscheidung, die faktisch schon gefallen war, bevor Schröder überhaupt vereidigt wurde.

Die wirkliche Veränderung der Außenpolitik setzte aber erst nach dem 11. September 2001 ein. Erstmals handelte der Kanzler aus eigenem Antrieb. Schröder meinte es ernst mit der uneingeschränkten Solidarität und folgte über Monate dieser Devise - nicht zuletzt unter dem Eindruck eines bewegenden Besuches am Ground Zero in New York. Mit hohem politischen Risiko verlangte er von einer Gesellschaft, die er zuvor noch als "durch und durch zivil" beschrieben hatte, nun die von ihm selbst sogenannte "Enttabuisierung des Militärischen". Mit Kritik an Bushs Anti-Terror-Kampf war man bei Schröder damals an der falschen Adresse. Bei einem Besuch im Weißen Haus im Februar 2002 nannte der Präsident den Kanzler seinen "old friend Görhard".

Lesen Sie auf Seite 2, welchen Anteil ein Schröder-Mann an der Entspannung zwischen Berlin und Washington hatte.

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