Genozid in Darfur Sudans Präsident droht der Welt mit Krieg

Bei seiner Türkei-Visite leugnet Sudans Staatschef Omar al Baschir das Morden in Darfur. Ausliefern will er keinen der Täter - schon gar nicht sich selbst.

Sudans Staatschef hält wenig von Diplomatie. Omar al Baschir hat der internationalen Gemeinschaft wegen der Völkermordvorwürfe gegen ihn mit Krieg gedroht. Entsprechend äußerte er sich in einem Interview des Fernsehsenders Al Arabija am Rande des Türkei-Afrika-Gipfels in Istanbul. Zuvor hatte er bereits auf einer Pressekonferenz den Vorwurf zurückgewiesen, seine Regierung lasse in der westlichen Region Darfur Völkermord zu.

"Völkermord wie vom Internationalen Gerichtshof behauptet gibt es nicht", sagte der Präsident vor Journalisten. "Wenn diese (Zahlen) zuträfen, müsste es Massengräber geben", sagte Baschir, gegen den der Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof vor vier Wochen Haftbefehl beantragt hat, weil er Völkermord, Kriegsverbrechen und andere Straftaten der Reitermiliz Dschandschawid gegen die Zivilbevölkerung in Darfur zulasse. "Wo sind diese Massengräber?" Laut Staatsanwaltschaft sind in Darfur seit 2003 rund 300.000 Menschen getötet worden, mehr als 2,5 Millionen wurden vertrieben.

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hatte Baschir am Dienstag aufgefordert, die Verantwortung für Darfur zu übernehmen und das Leiden in der Region zu beenden. Baschir betonte am Mittwoch, seine Regierung erkenne den Haager Strafgerichtshof nicht an. "Wir werden keinen sudanesischen Bürger an irgendjemanden zur Strafverfolgung ausliefern", sagte er. "Wir sind ein unabhängiger Staat mit einem unabhängigen und fairen Justizsystem."

In dem Fernsehinterview sagte er später: "Wir sind zum Krieg mit der großen Macht bereit, um die sudanesischen Bürger zu schützen." Er kündigte auch an, den Abzug der internationalen Friedenstruppen aus dem Sudan zu verlangen, wenn der internationale Haftbefehl gegen ihn erlassen werden sollte.

Für das kommende Jahr kündigte Baschir "nach Fertigstellung des Wahlgesetzes freie Wahlen" an. Westlichen Staaten warf er vor, separatistische Bestrebungen im Sudan zu unterstützen, um an Öl- und andere Rohstoffvorkommen zu kommen. Deshalb arbeite seine Regierung mit China und Indien zusammen.