Von Von Tina Baier

Trotz aufwändiger Prüfungen ist unklar, ob genveränderte Pflanzen und Produkte schädlich für Verbraucher und Umwelt sind.

Zwei zentrale Fragen stellen sich Wissenschaftler im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln: Sind sie ein Risiko für die Gesundheit der Verbraucher? Und: Welche Folgen hat der Anbau manipulierter Pflanzen für die Umwelt? Beide Fragen bestimmen nun auch die Bewertung des Entwurfs für das neue Gentechnik-Gesetz aus Forschersicht. Doch keine von beiden lässt sich eindeutig beantworten.

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Die meisten Gentech-Pflanzen, die demnächst EU-weit für die Verarbeitung in Lebensmitteln zugelassen werden sollen, sind unterschiedliche Maissorten, so Marianna Schauzu vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Den Pflanzen wurden zusätzliche Gene eingeschleust, die sie entweder widerstandsfähig gegen Schädlinge oder gegen ein bestimmtes Herbizid machen. Letzteres soll den Bauern die Arbeit erleichtern, da sie statt vieler verschiedener Unkrautvernichtungsmittel nur noch eines einsetzen müssen, das allen unerwünschten Pflanzen auf dem Feld den Garaus macht.

Kritisch für den Menschen können Fremdgene in Lebensmitteln vor allem deswegen sein, weil sie unter Umständen Allergien auslösen. So wurden Versuche, Gene der Erdnuss in Soja einzuschleusen, wegen wütender Proteste von Nuss-Allergikern nicht in die Praxis umgesetzt. Starlink, eine gentechnisch veränderte Maissorte des deutsch-französischen Herstellers Aventis, wurde wegen des Allergie-Risikos von vorneherein nur als Futtermittel zugelassen. Trotzdem fand sie sich wenig später in Mais-Chips mehrerer Hersteller. Aventis musste eine teure Rückrufaktion starten.

"Es muss streng geprüft werden, ob Gesundheitsrisiken vorliegen, bevor eine gentechnisch veränderte Pflanze zugelassen wird", sagt Schauzu. Dabei wird nicht nur darauf geachtet, ob ihre Bestandteile Allergien auslösen können; ebenso wird untersucht, ob sie durch die Veränderung giftig geworden ist und ob sich die chemische Zusammensetzung im Vergleich zur herkömmlichen Pflanze verändert hat. Nach diesen Tests könne man davon ausgehen, dass die veränderte Pflanze so unbedenklich sei wie die konventionelle, sagt Schauzu. Doch 100-prozentige Sicherheit verspreche niemand.

Noch problematischer als die Gesundheitsrisiken sind nach Ansicht vieler Gentechnik-Kritiker jedoch die möglichen Folgen für die Umwelt. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass manipulierte Sorten die fremden Gene an verwandte Wild- und Kulturpflanzen weitergeben. "Dass die Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen durch den Wind oder durch Insekten übertragen werden, kann man gar nicht verhindern", sagt Ulrich Ehlers von der Zulassungsstelle Gentechnik des Robert-Koch-Instituts.

Erst kürzlich haben britische Wissenschaftler gezeigt, dass Kreuzungen von Kulturraps mit seinem wildwachsenden Verwandten Rübsen häufiger vorkommen als vermutet - fast 50000 Mal im Jahr. Sicherheitsabstände um Gentech-Felder, wie sie auch der neue Gesetzentwurf vorsieht, könnten dies nicht verhindern, glauben die Forscher. Denn Raps- und Maispollen fliegen mit dem Wind kilometerweit.

Ob die fremden Gene in der Umwelt auch Schaden anrichten, ist damit jedoch noch nicht gesagt. Vermutungen, dass durch die Manipulationen Nutzinsekten verstärkt geschädigt werden oder durch die Übertragung von Resistenzgenen "Super-Unkräuter" entstehen, konnten nicht eindeutig bestätigt werden. Doch eines, so Ehlers, stehe fest: "Sind die Gene erst einmal in der Umwelt, lassen sie sich nicht mehr zurückholen."

Dass auch die Ängste der Biobauern berechtigt sind, gentechnisch verändertes Saatgut könne ihre Felder verunreinigen, zeigt sich in Mexiko, wo das Saatgut jedoch nur unzureichend kontrolliert wird. Dort entdeckten Wissenschaftler in jeder sechsten konventionellen Mais-Ernte gentechnisch veränderte Pflanzen. Auf einigen Äckern fanden sich neben der ursprünglichen Saat bis zu drei manipulierte Sorten.

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