Gedränge an Bahnhöfen, Notversorgung an Krankenhäusern, geschlossene Schultore: Ein landesweiter Generalstreik legt Frankreich weitgehend lahm.

Ein landesweiter Generalstreik gegen die Krisenpolitik von Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat Frankreich weitgehend lahmgelegt. Im Zugverkehr blieb etwa die Hälfte der Fahrzeuge im Depot.

Bild vergrößern

Etwa die Hälfte der Züge blieb im Depot: Am Pariser Bahnhof Saint Lazare drängten sich Pendler und Reisende. (© Foto: AP)

Anzeige

Neben dem Fernverkehr war in vielen Städten der öffentliche Nahverkehr stark beeinträchtigt. In Nizza fuhr keine einzige Straßenbahn, auch in Bordeaux und Straßburg fielen viele Trambahnen aus. Die U-Bahn der Hauptstadt Paris funktionierte jedoch praktisch normal. Am Pariser Flughafen Orly fielen am Morgen mehrere Flüge aus, bei anderen gab es Verspätungen bis zu einer Stunde.

Zahlreiche Schulen, Kindergärten und Behörden blieben geschlossen, an Krankenhäusern gab es nur eine Notversorgung. Auch die Mitarbeiter vieler von der Krise betroffener Unternehmen wollten die Arbeit niederlegen. Den Auftakt machten bereits am Mittwochabend die Eisenbahner und die Beschäftigten einer Raffinerie des Ölkonzerns Total.

Begünstigt durch strahlenden Sonnenschein über dem ganzen Land rechneten die Gewerkschaften am Donnerstag mit einer noch höheren Beteiligung als beim ersten Generalstreik am 29. Januar, als bis zu 2,5 Millionen Menschen gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung auf die Straßen gezogen waren.

Anders als bei früheren Konflikten legen die Gewerkschaften den Schwerpunkt der Proteste diesmal allerdings auf Demonstrationen und nicht auf Streiks, weil viele Kurzarbeiter sich weitere Lohnausfälle nicht leisten können. Landesweit werden mehrere Millionen Demonstranten erwartet.

Gewerkschaften drohen mit Ausweitung der Streiks

Staatspräsident Sarkozy hatte gleichwohl schon vor Donnerstag klargestellt, dass er angesichts leerer Kassen keine weiteren Sozialmaßnahmen auflegen werde. Die zentrale Protestkundgebung sollte um 14.00 Uhr in Paris beginnen. Weil die Polizei mit Hunderttausenden Teilnehmern rechnete, hatte sie zwei Routen abgesperrt, eine äußerst seltene Maßnahme.

"Der Protest ist legitim und nützlich", sagte die sozialistische frühere Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal am Morgen dem Radiosender RTL. "Vielleicht wird die Regierung danach endlich auf die Sorgen der Menschen antworten."

Der ehemalige Premierminister Alain Juppé aus Sarkozys konservativer Partei UMP erklärte, der Streik sei Ausdruck "einer wirklichen Angst in der Bevölkerung, die wahrgenommen und berücksichtigt werden muss". Laut Umfragen sind knapp 80 Prozent der Franzosen auf der Seite der Demonstranten.

Die Forderungen der Gewerkschaften reichen von einer Anhebung des Mindestlohns bis zur Rücknahme geplanter Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst. Haushaltsminister Eric Woerth betonte, die bisher beschlossenen Sonderausgaben für die sozial Schwachen kosteten im laufenden Jahr bereits 10 Milliarden Euro.

Sarkozy setzt auf ein Greifen der Konjunkturmaßnahmen ab Mitte des Jahres. Bis dahin könnte der Druck der Straße noch erheblich steigen. Sollte die Regierung nach dem Generalstreik am Donnerstag hart bleiben, wollen die Gewerkschaften die Streikbewegung ausweiten.

Leser empfehlen 

(AFP/AP/dpa/gal/vw)