Genderdebatte in der Piratenpartei Wenn Piraten zu Piratinnen werden

Die Piraten, ein Männerhaufen? Gerade einmal zwei Frauen hat die Partei auf aussichtsreiche Listenplätze für den Bundestag gewählt. In der einstigen Postgender-Partei wächst die Furcht, dass das beim Wähler nicht gut ankommt. Nun preschen Mitglieder mit ungewöhnlichen Ideen vor.

Von Hannah Beitzer

Die Piratenpartei - ein Männerhaufen?

(Foto: dapd)

Jung, technikaffin - und männlich. Diese Einschätzung ihrer Partei hören viele Piraten gar nicht gern. Doch sie kommt nicht von ungefähr, wie die ersten Aufstellungsversammlungen für die Bundestagswahl 2013 zeigen. Sechs Landeslisten stehen schon, ungefähr 17 der Kandidaten können bei einem Ergebnis von etwa fünf Prozent mit einem Sitz im Parlament rechnen. Darunter sind gerade einmal zwei Frauen: die gehörlose Bloggerin Julia Probst aus Baden-Württemberg und die Meteorologin Claudia Frick aus Rheinland-Pfalz.

Immer größer wird in der Partei die Furcht, dass das beim Wähler nicht gut ankommen könnte. Vor allem nach den Aufstellungsversammlungen in Bayern, bei denen keine Frau auf einem aussichtsreichen Platz gelandet ist, und der Wahl in Brandenburg, bei der die Piraten der bekannten Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg einen Mann vorzogen, diskutierte die Partei tagelang auf Twitter.

Doch was tun? Einige Berliner Parteimitglieder preschen nun mit einem ungewöhnlichen Vorschlag vor. Sie wollen die ersten vier Plätze ihrer eigenen Landesliste ausschließlich mit Frauen besetzen und so das Ungleichgewicht der vorhergegangenen Aufstellungsversammlungen ausgleichen. "Wir wollen die tollen Frauen in unserem Landesverband ermutigen, sich aufzustellen", schreibt der Frauenbeauftragte der Piratenfraktion, Simon Kowalewski. Deswegen hätte er gemeinsam mit 27 anderen Piraten und Piratinnen eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet, auf die ersten Plätze ausschließlich Frauen zu wählen.

Aus dem Blogeintrag des Berliner Abgeordneten spricht einiges an leidvoller Erfahrung. Denn die Genderdebatte belastet die Piraten, seit sie im Herbst 2011 mit 14 Männern und nur einer Frau ins Berliner Abgeordnetenhaus einzogen. Wie ein böser Geist verfolgte sie die Aussage, die Partei hielt sich und ihre Mitglieder für "postgender", also quasi für über den Geschlechtern schwebend - auch wenn das hinterher keiner ihrer Vertreter mehr gesagt haben wollte.

Die Reaktionen auf den Vorstoß der Berliner sind gespalten. "Lasst uns veraltete Werkzeuge einer kaputten Welt nutzen, statt neue Lösungen zu suchen, lasst uns eine Quote fordern", ätzt der Abgeordnete Alexander Morlang auf Twitter. Andere betonen, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung gerade keine Quote sei: "Hätten wir jetzt ne Quote beschlossen, würde ich die Aufregung vielleicht verstehen, aber es ist 'ne freiwillige Selbstverpflichtung", schreibt Piratin Miriam Seyffarth.

Im wesentlichen kristallisieren sich in der Diskussion drei Positionen heraus - und die könnten unterschiedlicher nicht sein. Allein die "Kompetenz" solle über die Listenplätze entscheiden, nicht das Geschlecht - so argumentieren die einen. Ihnen hält Kowalewski entgegen: "Kompetenz ist aber keine objektive Messgröße. Kompetenz ist auch nicht vorhersagbar. Wie gut oder viel jemand mal im Wahlkampf Plakate geklebt hat, sagt absolut nichts darüber aus, wie diese Person in der völlig anderen Welt der parlamentarischen Bundespolitik performen wird."