Geiselnahme in Radisson-Hotel Malische Regierung: Geiselnahme in Bamako beendet

  • Die Geiselnahme in Malis Hauptstadt Bamako ist der Regierung zufolge beendet. 170 Menschen hatten sich in der Hand von Terroristen befunden, bis zu 27 Leichen wurden bislang gezählt.
  • Sicherheitskräfte hatten das Gebäude gestürmt. Mehrere Agenturen berichten, die Attentäter leisteten weiterhin Widerstand.
  • Das Hotel ist beliebt bei Diplomaten und beispielsweise auch Mitarbeitern ausländischer Airlines.
  • Medienberichten zufolge haben sich zwei Al-Qaida-Ableger zu der Geiselnahme bekannt.

Keine Menschen mehr in Geiselhaft

Bewaffnete haben ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako angegriffen. Dabei hatten sie zeitweise bis zu 170 Geiseln genommen. Inzwischen haben Spezialkräfte das Gebäude gestürmt und Dutzende Geiseln befreit. Die malische Regierung meldet, es befänden sich nun keine Menschen mehr in der Hand der Geiselnehmer. Mindestens drei Geiseln sollen getötet worden sein. Andere Berichte melden bis zu 27 Tote. Mehrere Attentäter hielten sich weiterhin in den oberen Stockwerken verschanzt.

Zwei der befreiten Geiseln seien Deutsche gewesen, teilte Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit, der sich gerade auf einer Afrika-Reise in Sambia befindet. Ob sich noch weitere Deutsche in dem Hotel aufhielten, ist noch unklar. Ein Krisenstab sei mit den Ereignissen befasst und die deutsche Botschaft stehe in ständigem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden vor Ort, teilte des Auswärtige Amt in Berlin mit.

Am frühen Morgen hatten mehrere Bewaffnete das Hotel überfallen, es fielen Schüsse. Ein Angestellter sagte der Nachrichtenagentur AP am Telefon, die Angreifer hätten auch Handgranaten eingesetzt. Die Angreifer hätten Autos mit diplomatischen Kennzeichen benutzt, um Zugang zum normalerweise sehr gut gesicherten Hotel zu erhalten, sagte ein Mitglied des Hotel-Sicherheitsteams der Deutschen Presse-Agentur.

Bei Ausländern beliebtes Hotel

Das Radisson-Hotel hat 190 Zimmer. Es ist bei Diplomaten beliebt und zum Beispiel auch das Hotel für Mitarbeiter der Air France. 140 der Geiseln seien Hotelgäste, 30 Angestellte, teilt der Konzern Rezidor mit, der das Hotel betreibt. Die Geiseln sollen von zwei Personen festgehalten werden, zitiert die BBC die Hotelbetreiber. Nach Angaben eines Armeekommandeurs dagegen waren zehn Bewaffnete in das Hotel eingedrungen.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldet, dass unter den Geiseln mehrere chinesische Touristen seien. Der französischen Zeitung Le Monde zufolge könnten sich auch Franzosen und Algerier unter den Geiseln befinden, außerdem würden sich sechs Angestellte von Turkish Airlines im Hotel befinden. Fünf von ihnen seien freigelassen worden, meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Die Deutsche Presse-Agentur zitiert einen Polizeibeamten mit den Worten, die Angreifer hätten jene freigelassen, die das islamische Glaubensbekenntnis in arabischer Sprache aufsagen könnten. Sie seien vor allem an westlichen Geiseln interessiert.

Die Botschaften der USA und Frankreichs forderten ihre Bürger in Bamako auf, vor Ort Schutz zu suchen.

Al-Qaida-Ableger sollen für die Geiselnahme verantwortlich sein

Die arabischsprachige Nachrichtenseite von Al-Jazeera berichtet, zu der Geiselnahme haben sich der Al-Qaida-Ableger "Al-Murabitun" und eine Terrororganisation namens "Sahara-Emirat" bekannt. In einer entsprechenden Erklärung forderten die Geiselnehmer die Freilassung islamistischer Kämpfer aus den Gefängnissen von Bamako und "die Agression gegen das Volk" im Norden Malis zu stoppen.

Gefährliche Bundeswehr-Mission in Mali

Das Verteidigungsministerium erwägt, 2016 Truppen in den instabilen Norden des Landes zu schicken. Ziel wäre die Unterstützung der Niederländer. Von Christoph Hickmann mehr ...

Geiselnahme in Sévaré im August

Angriff auf das Radisson-Hotel in Bamako

Bewaffnete haben das Radisson-Hotel in der Hauptstadt Malis überfallen und Berichten zufolge 170 Geiseln genommen. Das Militär ist angerückt. mehr... Bilder

Erst im August waren bei einer Geiselnahme und anschließenden Gefechten in einem bei Ausländern beliebten Hotel in der malischen Stadt Sévaré 13 Menschen getötet worden, unter ihnen fünf UN-Mitarbeiter. Zu dem Angriff bekannten sich malische Dschihadisten. Im März sterben fünf Menschen bei einer Attacke auf ein beliebtes Restaurant in Bamako.

In Mali hatten Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete vor allem im Norden des Landes erobert, bevor sie mit Hilfe französischer Truppen wieder zurückgedrängt worden waren. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Ausbildung der malischen Streitkräfte, an dem auch die Bundeswehr beteiligt ist. Die Bundesregierung erwägt derzeit auch, den Einsatz der Bundeswehr auf den unruhigen Norden auszuweiten.