Geiselnahme in Algerien USA schicken Drohnen über Gasfeld

Nach heftiger Kritik am Vorgehen der algerischen Regierung schicken nun die USA Drohnen, um sich ein Bild zu dem umkämpften Gasfeld zu machen. 

(Foto: DigitalGlobe)

Nach heftiger Kritik am Alleingang Algeriens ergreifen die USA und Großbritannien die Initiative. Berichten zufolge sind US-Aufklärungsdrohnen im Einsatz, Großbritannien will angeblich Spezialisten nach Algerien schicken. Die Geiselnahme könnte noch Tage dauern. Jetzt kündigen die Islamisten weitere Anschläge an.

Bis zu 50 Menschen sollen getötet worden sein, trotzdem ist die Geiselnahme auf einem Gasfeld im Osten Algeriens noch immer nicht beendet. Der Sturmangriff der algerischen Armee auf die Anlage war international nicht abgesprochen. Für seinen Alleingang sieht sich Algerien heftiger internationaler Kritik ausgesetzt.

Die USA setzen nun offenbar Aufklärungsdrohnen ein, um eigene Informationen über den Stand der Geiselnahme im Osten Algeriens zu bekommen. Das sagten zwei Mitglieder der US-Regierung der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach seien die Drohnen unbewaffnet. Ob die algerische Regierung die Aufklärungsflüge genehmigt habe, wollten die Offiziellen nicht sagen. Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, die USA würden "alle nötigen und angemessenen Schritte" unternehmen, um die Geiselnahme zu beenden und drohte den Islamisten, sie sollten wissen, "dass es für sie kein Versteck, keinen Fluchtpunkt gibt."

Um Nachahmungstaten zu verhindern, überprüfen die USA zudem die Sicherheit ihrer Botschaften in Afrika und dem Nahen Osten, hieß es im Außenministerium. Wie ein Korrespondent der BBC berichtet, soll Großbritannien Spezialisten für Geiselnahmen nach Algerien geschickt haben.

Heftige internationale Kritik

Kritik am Vorgehen Algeriens kommt aus aller Welt. Das japanische Außenministerium bestellte den algerischen Botschafter in Tokio ein. Zuvor hatte Ministerpräsident Shinzo Abe den algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal angerufen, um gegen die Militäraktion zu protestieren und ihren sofortigen Stopp zu fordern. Die japanische Regierung gab an, drei der 17 japanischen Mitarbeiter der Gasanlage seien in Sicherheit.

Auch der britische Premier David Cameron kritisierte, dass er früher über den Befreiungsversuch informiert hätte werden müssen. Stattdessen habe London erst Informationen erhalten, als die Militäroperation bereits im Gange war. Unter den Geiseln auf dem Gelände des Gasförderfelds, das von der britischen BP mitbetrieben wird, befanden sich mehrere Staatsbürger Großbritanniens.

Auch die USA verlangten von der algerischen Regierung "Klarheit" zur Geiselnahme in Nordafrika. Details über die Lage der US-Geiseln seien ihm nicht bekannt, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Auf die Frage, ob die amerikanischen Geiseln am Leben oder tot seien, sagte Carney lediglich, die USA seien "tief besorgt über jeden Verlust unschuldigen Lebens".

Zurückhaltender äußerte sich Norwegens Regierung. Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte in Oslo, dass seine Regierung Algerien offiziell um militärische Zurückhaltung zum Schutz der Geiseln gebeten habe. Er sei dann am Mittag um zwölf Uhr telefonisch von seinem algerischen Kollegen lediglich über die bereits laufende Militäraktion informiert worden.

Missglückte Befreiungsaktion

Die algerische Regierung hatte am Donnerstag mit Hubschraubern und Bodentruppen in einer Befreiungsaktion die islamistische Terroristen angegriffen, die zuvor das Gasfeld unter ihre Kontrolle gebracht und Dutzende Mitarbeiter als Geiseln genommen hatten. Dabei kamen etwa fünfzig Menschen ums Leben. Nach Angaben der Terroristen befinden sich unter den Toten 35 Geiseln und 15 Kidnapper. Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar, ebenso die Zahl der noch verbliebenen Terroristen und Geiseln. Die deutsche Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keinen Hinweis darauf, dass sich Deutsche unter den Geiseln befinden.

Das am Gasfeld beteiligte norwegische Energieunternehmens Statoil teilte mit, acht seiner Mitarbeiter seien noch vermisst. Allerdings sind mehrere Arbeiter offenbar wieder in Sicherheit: Mehrere Norweger sollen sich auf dem Weg in ihr Heimatland befinden, zudem seien drei Algerier nach Algier geflogen worden, hieß es bei Statoil. Außerdem hätten zwei Franzosen unverletzt überlebt, sagte der französische Innenminister Manuel Valls. Auch ein Österreicher hat die Geiselnahme überstanden und befindet sich nach Angaben des österreichischen Außenministeriums in Sicherheit.

Die Geiselnehmer drohen mit weiteren Anschlägen

Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault bestätigte am Freitag, dass der Einsatz noch laufe. Das habe ihm die algerische Regierung mitgeteilt. Auch der britische Regierungschef David Cameron sagte, die Aktion zur Geiselbefreiung dauere weiter an.

Hinter der Geiselnahme steht nach algerischen Angaben die Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI). Die militanten Islamisten forderten ein Ende des französischen Einsatzes in Mali. Die algerische Regierung lehnt Verhandlungen mit den Terroristen strikt ab.

Die islamistischen Geiselnehmer drohten über einen Sprecher mit weiteren Anschlägen. Die mauretanische Nachrichtenagentur ANI, die enge Kontakte zu den Islamisten hat, sprach von einer Warnung der Gruppe, Algerier sollten sich von Einrichtungen ausländischer Firmen fernhalten. Der Energiekonzern BP meldete am Freitag, dass drei Passagiermaschinen vorsorglich bereits Hunderte Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen, darunter auch elf BP-Angestellte, aus Algerien ausgeflogen hätten. Ein vierter Flug gehe am Freitag, außerdem werde BP noch weitere Maschinen organisieren, sollten diese nötig werden.