Geiselnahme in Algerien Die Rache der Islamisten

Die Gasverflüssigungsanlage In Aménas (Archiv) an der Grenze zu Libyen.

(Foto: dpa)

Bewaffnete Kämpfer haben ein Gasfeld in Algerien überfallen und 41 westliche Geiseln in ihre Gewalt gebracht. Verhandlungen mit den islamistischen Entführern lehnte der algerische Innenminister ab, stattdessen umstellten Soldaten die Terroristen und ihre Geiseln. Einem Medienbericht zufolge soll es einen Schusswechsel gegeben haben.

Von Rudolph Chimelli

Islamistische Extremisten haben bei einem Überfall auf ein Gasfeld in der algerischen Sahara am Mittwoch 41 Menschen - unter ihnen sieben Amerikaner sowie Franzosen, Briten, Japaner, Norweger und Iren - als Geiseln genommen. Der norwegische Energiekonzern Statoil bestätigte, dass Terroristen die Anlage In Aménas unter ihre Kontrolle gebracht hätten.

Die Angreifer bekannten sich in mehreren Kontakten zu Nachrichtenagenturen als Angehörige von al-Qaida. Ein Sprecher sagte der Agentur AFP am Telefon: "Wir sind aus dem Norden Malis gekommen und gehören zur Gruppe Khaled Abu al-Abbas unter ihrem Anführer Mochtar Belmochtar." Der Belmochtar galt lange als einer der Anführer des Al-Qaida-Ablegers "Al-Qaida im islamischen Maghreb" (Aqim), später soll er seine eigene Miliz gegründet haben.

Der mauretanischen Agentur Sahara Médias, die den Dschihadisten in der Sahel-Zone nahesteht, sagte ein Extremist, mit dem Überfall werde Algerien dafür bestraft, dass es der französischen Luftwaffe den Überflug gestatte, um Stellungen von Islamisten in Mali zu bombardieren. Zudem forderten die Geiselnehmer angeblich die Freilassung von hundert Islamisten.

Verhandlungen mit den islamistischen Entführern abgelehnt

Verhandlungen mit den islamistischen Entführern lehnte Algeriens Innenminister Dahou Ould Kablia am Mittwoch strikt ab. Stattdessen umstellten Soldaten die Terroristen und ihre Geiseln. Nach Angaben algerischer Medien sollen die Entführer gedroht haben, das Gasfeld in die Luft zu sprengen, falls die Armee einen Befreiungsversuch wagen sollte. Nach Angaben der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI soll es noch am Abend einen Schusswechsel gegeben haben. Das überfallene Gasfeld liegt im Südosten Algeriens nahe der libyschen Grenze, etwa 1000 Kilometer von Mali entfernt.

Drei Menschen - darunter ein Brite sowie mutmaßlich ein Franzose - kamen bei dem Überfall auf das Gasfeld ums Leben. Zwei weitere Ausländer, zwei Gendarmen und zwei Sicherheitsleute wurden verletzt. Die algerischen Geiseln wurden von den Terroristen nach einiger Zeit freigelassen.

Nach zunächst sehr lückenhaften Berichten griff zwischen vier und fünf Uhr früh Ortszeit ein schwer bewaffnetes Kommando mit drei Fahrzeugen die Wohnquartiere der Gasförderungseinrichtungen an und nahm die Ausländer gefangen.

Das Kommando hatte nach Angaben des algerischen Innenministeriums zuvor einen Bus ins Visier genommen. Ein 55-jähriger Norweger, der auf dem Gasfeld arbeitet, konnte noch kurz seine Frau anrufen - es reichte, um ihr zu sagen, dass er von bewaffneten Männern gefangen genommen worden ist.