Während Wolfgang Schäuble die Entführung von Susanne Osthoff als Warnung an Deutschland bezeichnet hat, fordert Unionspolitiker Ruprecht Polenz Gespräche mit den Geiselnehmern und schließt Lösegeldzahlungen nicht aus.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Entführung der Deutschen Susanne Osthoff im Irak als Warnung an Deutschland bezeichnet.
Wolfgang Schäuble sieht die Entführung von Susanne Osthoff als Warnung für Deutschland. (© Foto: AP)
Anzeige
Der Fall zeige, "dass wir auch in Deutschland vom internationalen Terrorismus durchaus bedroht sind", sagte Schäuble der Zeitung Die Welt.
Nach Ansicht des stellvertretenden Leiters des Instituts für Terrorismusforschung in Essen, Kai Hirschmann, besteht ein Zusammenhang zwischen der Entführung und dem Regierungswechsel in Berlin. "Der Zeitpunkt der Entführung ist kein Zufall", sagte er dem Münchner Merkur.
Die Terroristen hätten eine deutliche Warnung an Berlin senden wollen. Arbeitet nicht mit den Amerikanern und der neuen Regierung in Bagdad zusammen - das sei ihre Botschaft, so der Experte.
"Im Graubereich bewegen"
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU) hat derweil für Gespräche mit den Entführern der deutschen Archäologin plädiert. Ein "Verhandeln im zivilen Sinne" könne das nicht sein, "aber man muss mit ihnen sprechen", sagte Polenz der Berliner Zeitung.
Wenn man der Entführten helfen wolle, müsse man "sich in einem Graubereich bewegen". Ein Eingehen auf die Forderungen der Entführer lehnte der Unionspolitiker ab.
Die Bundesregierung dürfe sich nicht davon abbringen lassen, an der Stabilisierung des Irak mitzuwirken, sagte Polenz. Sonst würde sie auch gegen die deutschen Sicherheitsinteressen verstoßen.
Weitere Deutsche nicht gefährden
Die Zahlung eines Lösegelds schloss Polenz dagegen nicht aus. "Dann wird man darüber aber keinesfalls reden dürfen", erklärte er. Es befänden sich noch weitere Deutsche im Irak, die nicht zusätzlich gefährdet werden dürften.
"Denn wenn der Irak aufgebaut werden soll, braucht es ausländische Hilfe. Und diese Hilfe kann nicht nur aus Briefen und Päckchen bestehen, da müssen auch Menschen hinkommen.
Osthoff wurde nach ARD-Berichten am Freitag gemeinsam mit ihrem Führer in der nördlichen Provinz Ninive verschleppt. In einem der ARD in Bagdad übergebenen Video drohen die Entführer dem Sender zufolge mit der Tötung ihrer Geisel, sollte die Bundesregierung die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung nicht einstellen.
(sueddeutsche.de/AFP/dpa)