Geheimer Krieg Privatfirmen schicken Spione nach Deutschland

Präsident Obama und Kanzlerin Merkel: deutsch-amerikanische Partnerschaft

In Deutschland sind 43.000 US-Soldaten stationiert, insgesamt betreiben die Amerikaner fast 40 militärische Stützpunkte, amerikanische Atomwaffen werden angeblich auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst in Büchel in Rheinland-Pfalz gelagert. Drei Milliarden Dollar gab die US-Regierung im Fiskaljahr 2012 in Deutschland aus. Mehr brauchten sie nur in Afghanistan. Und dort haben sie einen Krieg zu finanzieren. In Deutschland nicht mehr, eigentlich. Denn wo US-Armee und Geheimdienste während des Kalten Krieges vor allem den Westen geschützt haben, führen sie heute von Deutschland aus einen weltweiten geheimen Krieg, der massiv gegen internationales Recht verstößt. Von Deutschland aus - in Ramstein und Stuttgart - steuern amerikanische Soldaten den blutigen Drohnenkrieg in Afrika; die notwendigen Informationen über mögliche Ziele und mutmaßliche Terroristen liefern US-Geheimdienstmitarbeiter, die ebenfalls in Deutschland sitzen. Und sie sind damit auch immer dann beteiligt, wenn bei den US-Angriffen in Afrika unschuldige Zivilisten sterben.

Wenn man diese moralische Frage einmal beiseite lässt, bleibt die Erkenntnis: Ohne den Stützpunkt Deutschland wäre Amerikas Krieg gegen den Terror nicht so leicht zu führen, jedenfalls nicht in seiner derzeitigen Form. Deutschland ist die Zentrale des geheimen Kriegs in Afrika, das Drehkreuz für europäische CIA-Aktionen, das Trainingsgelände für Drohneneinsätze weltweit. Tatsächlich üben die Amerikaner in Deutschland mit 57 Drohnen für den Ernstfall. Der Standort Deutschland, so scheint es jedenfalls, ist unverzichtbar.

Das geheimdienstliche Zentrum der Amerikaner ist das Rhein-Main-Gebiet. Von hier aus operieren US-Agenten im Auftrag von CIA, NSA, Secret Service, Heimatschutzministerium und anderen Behörden und Diensten. Aber es ist nicht mehr nur das alte, vertraute Bild mit den zweifelhaften Gestalten, die ihre schmutzigen Spiele auch in Deutschland spielen.

Längst sind neue Akteure auf den Plan getreten, noch unheimlicher als die alten Kundschafter. Die Neuen sind Mathematiker, Spieltheoretiker, Statistiker, Experten für Datenverarbeitung aller Art. Sie müssen keine Wohnungen mehr verwanzen oder Mikrofone in Büros verstecken - sie hören einfach alles ab. Sie arbeiten für Konzerne, die von den Geheimdiensten Aufträge bekommen und die schmutzigen Arbeiten erledigen: spionieren und analysieren, aber auch entführen und sogar foltern. Jeder fünfte Mitarbeiter des monströsen US-Geheimdienstapparats ist inzwischen kein Staatsangestellter mehr, sondern arbeitet für "Private Contractors", also private Unternehmen. Einer dieser Mitarbeiter war bis vor Kurzem: der Whistleblower Edward Snowden.

Diese unheimliche Schattenarmee wächst Jahr für Jahr, auch oder gerade in Deutschland. Insgesamt hat die Bundesregierung 207 amerikanischen Firmen Sondergenehmigungen erteilt, damit diese auf deutschem Boden sensible Aufgaben für die US-Regierung übernehmen können. Allein für geheimdienstliche Analysen haben die privaten Spionagedienstleister in den vergangenen fünf Jahren 90,1 Millionen Dollar kassiert. Die meisten Verträge gehen an die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte "SOS International". Die amerikanische Firma, einst von einer armenischen Einwandererin als kleines Übersetzungsbüro gegründet, macht seit Jahren zweistellige Millionenumsätze mit den deutschen Einsätzen. Ihre Mitarbeiter arbeiten, so steht es in der offiziellen Datenbank für US-Staatsaufträge, beispielsweise als "Intelligence Analyst", als "Signal Intelligence Analyst" oder "Counter Intelligence Operations Planner" für ihre Auftraggeber, also: die Geheimdienste. Sie sind Agenten auf Zeit.

Die genaue Zahl der Privatagenten in Deutschland ließ sich nicht genau ermitteln, aber, das immerhin geht aus den Unterlagen hervor, es sind mehrere Hundert. Aber anders als die meisten offiziellen Kollegen von CIA oder NSA werden die Mietspione nicht als Diplomaten oder konsularische Mitarbeiter bei den deutschen Behörden registriert.