Geheime Kooperation BND half Amerikanern im Irak-Krieg

Trotz offizieller Ablehnung der Militärschläge durch die Bundesregierung soll der deutsche Geheimdienst den USA beim Ausspähen von Bombenzielen unterstützt haben. Das Kanzleramt war informiert.

Von Hans Leyendecker und Wolfgang Krach

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat die amerikanischen Truppen im Frühjahr 2003 während des Irak-Kriegs unterstützt und möglicherweise sogar bei der Identifizierung von Bombenzielen geholfen.

Mansur

Rauchschwaden nach dem Bombardement: Bei einem Luftangriff der Amerikaner im Bagdader Stadtteil Mansur am 7. April 2003 starben mindestens zwölf Menschen. Getroffen werden sollte Saddam Hussein. Beim Ausspähen des Zieles soll der BND geholfen haben.

(Foto: Foto: AP)

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des ARD-Fernsehmagazins "Panorama" blieben mindestens zwei Mitarbeiter des BND während des gesamten Krieges in Bagdad und versorgten das US-Militär mit Informationen. Die Zusammenarbeit war vom damaligen Geheimdienst-Koordinator im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, und dem damaligen BND-Präsidenten August Hanning ausdrücklich gebilligt.

Ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter, der ungenannt bleiben will, sagte der SZ am Mittwoch, zwei BND-Agenten hätten in der französischen Vertretung Unterschlupf gefunden, nachdem die deutsche Botschaft am 17. März 2003 - drei Tage vor Beginn des Krieges - geräumt worden sei. Die BND-Mitarbeiter hätten ihre Arbeit während des Krieges fortgesetzt.

Dazu habe auch eine Kooperation mit dem US-Militärgeheimdienst Defense Intelligence Agency (DIA) gehört. Auf der Ebene der Nachrichtendienste habe es "keine Sprachlosigkeit geben sollen". "Die Situation in Bagdad war Neuland für den BND", fügte der Beamte hinzu.

Aus Sicherheitskreisen hieß es am Mittwoch, der Beschluss zur Zusammenarbeit mit den Amerikanern sei eine "politische Entscheidung" der rot-grünen Bundesregierung gewesen. Öffentlich hatte die Regierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder stets beteuert, sie lehne den Irak-Krieg ab und beteilige sich daher auch nicht an ihm.

Der hochrangige Sicherheitsbeamte sagte, die Führung des BND habe damals nach Absprache mit dem Bundeskanzleramt beschlossen, die Zusammenarbeit mit den Amerikanern während des Krieges fortzusetzen: "Das war keine Entscheidung eines Abteilungsleiters." Zu den Aufgaben des BND habe es gehört, den Amerikanern Ziele zu melden, die nicht bombardiert werden sollten. Dieses "non targeting von Krankenhäusern oder Botschaften" sei eine der Aufgaben des BND im Irak gewesen. Die USA hätten um diese Hilfe gebeten.

Mindestens zwölf Tote

US-Quellen stellen die deutsche Hilfeleistung jedoch anders dar. Ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, dessen Identität der SZ nicht bekannt ist, sagte dem ARD-Magazin Panorama, die Hilfe der Deutschen sei für die offensive amerikanische Kriegsführung "sehr wichtig" gewesen. Der BND habe "direkte Unterstützung" bei der "Zielerfassung" geliefert. Autor des Panorama-Beitrags ist der renommierte TV-Journalist John Goetz.