Geheimdienste Agenten-Fibel für die Grenzkontrolle

  • Beim US-Geheimdienst CIA beschäftigt sich eine Einheit damit, Geheimagenten "maßgeschneiderte Identitäten" zu liefern. So steht es in zwei geheimen Papieren, die Wikileaks veröffentlicht hat.
  • Bei Grenzkontrollen gehen einzelne Staaten unterschiedlich streng vor. Im Schengen-Raum bestehe nur minimale Gefahr, enttarnt zu werden. Besonders gewissenhaft kontrollieren Iran und Israel.
Von John Goetz und Frederik Obermaier

Wenn Geheimagenten ins Ausland reisen, tun sie dies meist mit einer Legende: So heißt eine falsche Identität im Jargon der Nachrichtendienste. Als es noch kein Internet, keinen automatischen Datenaustausch und vor allem keine sekundenschnellen biometrischen Tests gab, war das alles auch kein Problem.

Mittlerweile lauert die Gefahr jedoch an vielen Grenzen. Dort also, wo mit allerlei technischer Raffinesse Pässe kontrolliert, Fingerabdrücke und Gesichtszüge gescannt und neugierige Fragen gestellt werden. Den geheimen Agenten droht Enttarnung - und damit die Ausweisung, das Gefängnis oder gar der Tod.

Ausgerechnet jene Kontrollen, die einst eingeführt wurden, um Terroristen und Waffenschmuggler abzufangen, machen den Geheimdiensten - also den Jägern eben dieser Terroristen und Waffenschmuggler - das Reisen schwer. Der deutsche Bundesnachrichtendienst will deshalb erforschen, wie seine Mitarbeiter automatischer Gesichtserkennung entgehen könnten.

Beim amerikanischen Geheimdienst CIA gibt es eine eigene Einheit namens Checkpoint, deren Aufgabe es ist, amerikanischen Geheimdienstlern "maßgeschneiderte Identitäten" zu liefern und diese vor dem Auffliegen zu schützen. So jedenfalls ist es in zwei geheim eingestuften CIA-Papieren nachzulesen, die der Süddeutschen Zeitung sowie dem NDR vorliegen und die Wikileaks nun veröffentlichte.

Die Grenzkontrollen im Schengen-Raum stellen nur minimale Gefahr dar

Die Dokumente der Abteilung Tarnen und Täuschen zeigen, wie sehr dem amerikanischen Geheimdienst Grenzkontrollen offenbar zu schaffen machen. Demnach führen etwa die tadschikischen Behörden Listen westlicher Agenten. Die CIA schließt nicht aus, dass auch ihre Leute darauf stehen.

Und am Teheraner Flughafen müssten US-Iraner damit rechnen, dass Grenzbeamte Zugang zu ihren E-Mails verlangen. Wer diese nicht präpariert hat, fliegt auf. Entwarnung gibt der US-Geheimdienst für die Europäische Union: Die Grenzkontrollen im Schengen-Raum würden für Agenten nur eine minimale Gefahr darstellen, da der "Fokus auf illegaler Immigration und Kriminalität" liege, nicht auf Spionageabwehr.

Fingerabdrücke und Gesichtszüge, alles wird vermessen.

(Foto: imago stock&people)

Nur Apple-Geräte mit iTunes-Tarnnamen mitführen

Ein Härtetest für falsche Identitäten sind sogenannte Secondary Screenings: wenn Beamte sich an Flughäfen nicht mit dem Blick in den Pass zufriedengeben, sondern Einzelne für strengere Kontrollen herauswinken. Genau für diese Fälle hat die CIA 2011 das 14-Seiten-Brevier "Surviving Secondary" geschrieben: eine Art Leitfaden für Agenten auf geheimer Mission. Verhaltet euch unauffällig, könnte man die Ratschläge zusammenfassen. Außerdem sei darauf zu achten, dass nur Apple-Geräte ins Gepäck kommen, deren iTunes-Konto auf den Tarnnamen läuft, nicht etwa auf den echten. In Israel würden die Grenzer besonders auf "alleinreisende Männer im wehrdienstfähigen Alter mit Rucksäcken" achten.

Ohnehin sei es mit der Kleidung so eine Sache: Ein US-Geheimdienstler, der als Diplomat getarnt reiste, sei einmal auf einem europäischen Flughafen herausgewunken worden, weil er offenbar zu "lässig" gekleidet war. Beziehungsweise zu nachlässig für einen Diplomaten.