Geheimdienst in Israel Harter Kerl mit Kippa

Er ist erprobt im Anti-Terror-Kampf und gilt als Mann der Tat: Joram Cohen, der neue Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes, ist der erste strenggläubige Jude in diesem Amt.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Für die Ernennung des neuen Inlandsgeheimdienst-Chefs hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu die große Bühne gesucht. Vom Rednerpult einer Jerusalemer Konferenz aus, passgenau für eine Live-Schaltung in die Abendnachrichten, verkündete er den Sieger eines offenbar knappen Rennens: Joram Cohen soll künftig an der Spitze des Schin Bet stehen und Israel vor Terror, Spionage und ähnlichen Übeln bewahren. Eine Überraschung war diese Wahl - nicht nur, weil Cohen als streng religiöser Jude der erste Kippa-Träger im Amt sein wird. Doch Netanjahu versicherte der Nation, "Joram war jahrelang an vorderster Front", er habe alles, was man braucht für diesen Posten. "Sein Erfolg", so fügte der Regierungschef an, "wird unser Erfolg sein."

An gefährlichen Bedrohungen, die man in diesem Metier Herausforderungen nennt, wird es dem 51-Jährigen nicht fehlen. Nach dem Kollaps der Friedensverhandlungen und dem Aufruhr in der arabischen Welt stellt sich Israel auf wieder schärfer werdende Auseinandersetzungen mit den Palästinensern ein. Genau das ist Cohens Kerngeschäft, seitdem er vor 30 Jahren beim Inlandsgeheimdienst anheuerte. Er spricht fließend Arabisch, und alte Weggefährten berichten nun, dass er in Verkleidung bei Undercover-Aktionen einen täuschend echten Palästinenser abgegeben habe. Sein Spitzname im Dienst allerdings ist "der Afghane", weil seine Eltern vom Hindukusch kamen. Er ist ein Mann, der von weit unten nach ganz oben aufgestiegen ist. Aufgewachsen im gar nicht feinen Süden von Tel Aviv, lebt er seit langem schon mit Frau und fünf Kindern in Jerusalem. Seine Armeezeit verbrachte er bei den legendär kampferprobten Golani-Elitetruppen, sofort danach heuerte er beim omnipräsenten Schin Bet an. Hervorgehoben wird sein Verdienst bei der Bekämpfung der zweiten Intifada, als er von 2003 bis 2005 für den Anti-Terror-Kampf in Jerusalem und im Westjordanland zuständig war.

Er gilt überdies als einer der Initiatoren für die Politik der gezielten Tötung radikaler Palästinenser-Führer. Offenkundig ist er ein Mann der Tat, beschrieben wird er als "harter Kerl", der trotzdem zurückhaltend und bescheiden auftrete. Nach der Intifada stieg er zum Vize-Chef des Schin Bet auf, sein Name aber blieb branchenüblich ein Geheimnis und durfte nur abgekürzt verwendet werden. 2009 jedoch zog sich Cohen zu ganz öffentlichen Forschungszwecken in die USA zurück. Im Washingtoner Institut für Nahost-Politik veröffentlichte er einige Studien, in denen er zum Beispiel vor dem langen Arm al-Qaidas im Gaza-Streifen warnte. Nun wurde er zurückgerufen zum Geheimdienst und an die Spitze befördert.

Vorausgegangen war der Ernennung Berichten zufolge ein politisches Gezerre. Rechten Rabbis soll der eigentliche Favorit, der vom derzeitigen Chef Juval Diskin protegierte amtierende Schin-Bet-Vize, suspekt gewesen sein, weil er sich als Verantwortlicher für die "jüdische Abteilung" auch mit der Bedrohung durch radikale Siedler und jüdische Terroristen befasst hatte. Der im Kampf gegen die Palästinenser gestählte und streng religiöse Joram Cohen dagegen ist dieser Klientel weit angenehmer.

Linke Kritiker jedoch wollen nun schon einen neuen Trend ausmachen: Unlängst machte Netanjahu den national-religiösen Generalmajor a. D. Jakob Amidror zum neuen Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrats.