Früher soll der britische Geheimdienst Agenten in den Elite-Universitäten rekrutiert haben. Doch da dort zu wenige Arabisch oder Persisch sprechen, sieht sich der MI6 zu neuen Methoden gezwungen.
Früher war alles einfacher. Die Werber mussten sich nur in Studentenclubs der Elite-Universitäten von Oxford und Cambridge herumdrücken und Augen und Ohren offenhalten, bevor sich ihre Hand auf die Schulter eines vielversprechenden Kandidaten senkte, mit der Bitte um ein kurzes Gespräch: "I say, young man. Can I have a word with you?"
Ein Polizist bewacht die Zentrale des britischen Geheimdienstes MI6 in London (© Foto: dpa)
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Auf diese Weise, so wird kolportiert, rekrutierte der britische Auslandsgeheimdienst Secret Intelligence Service (SIS) einst Agenten - und erhielt junge Männer mit den Manieren eines englischen Gentleman, der Trinkfestigkeit eines schottischen Schafzüchters, der Körperkraft eines walisischen Rugby-Spielers, und der Silberzunge eines irischen Dorfpfarrers. James Bond eben.
Heute muss MI6, wie der Dienst noch immer inoffiziell genannt wird, das Land nicht mehr vor kommunistischer Unterwanderung schützen, sondern vor terroristischen Umtrieben. Und weil trinkfreudige Gentlemen im Nadelstreifen und mit Martini-Glas in Tora Bora oder Gaza rasch auffallen würden, sehen sich Britanniens Spionagechefs zu unkonventionellen Rekrutierungsmethoden für neuartigen Nachwuchs gezwungen.
Der SIS will, wie es ein Beamter bürokratisch und politisch korrekt ausdrückte, "seine Mitarbeiterbasis verbreitern, damit sie besser die Ethnizität der Gemeinschaft widerspiegelt, der wir dienen".
Wie bei der Eisenbahn
Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat MI6 einen Reporter von BBC Radio One in sein Hauptquartier am Themse-Ufer im Londoner Stadtteil Vauxhall gelassen. In einer Reihe von Reportagen und Interviews will sich SIS bei möglichst vielen potentiellen Mitarbeitern, vor allem unter ethnischen Minderheiten, empfehlen.
Eine ganze Woche lang strahlt der Sender Gespräche mit echten Agenten aus. Sie plaudern über ihre Arbeit und darüber, was man mitbringen muss, wenn man Spion werden will. Sehr aufregend ist das nicht.
Mark beispielsweise (nicht der richtige Name und obendrein ist die Stimme elektronisch verzerrt) könnte auch Mitarbeiter für Marks and Spencer oder die Eisenbahn anwerben: "Teamwork ist wirklich wichtig", sagt er, und "Flexibilität und Belastbarkeit" wären ein Vorteil.
Der Jobbeschreibung von 007 am nächsten kommt eine Frau von Ende zwanzig mit dem Decknamen "Yasmin". Sie ist eine Muslima aus den Midlands, und arbeitet als "operational officer". Hinter dieser Beschreibung verbergen sich Agenten, die im Ausland tätig sind.
Idealismus und Bares
Ihre Aufgabe sei es, sagt Yasmin, "Leute auszukundschaften und anzuwerben", die für Britannien Informationen liefern. Viele täten es aus Idealismus, andere zögen Bargeld vor. Yasmin behauptet, dass die Religion für ihre Anstellung beim SIS keine Rolle gespielt habe.
Dies freilich widerspricht den Anforderungen, die der Dienst auf seiner Website an Mitarbeiter stellt: Gesucht werden vor allem junge Männer und Frauen mit Kenntnissen in Arabisch, Persisch oder Urdu.
Glamour nach Bond-Manier kann man in Peschawar, Teheran oder Basra nicht erwarten. Doch ganz will der Dienst die Hoffnung nicht enttäuschen. James Bond, verrät die SIS-Website, beruhe auf einer realen Person, nur habe sich "die Kluft zwischen Wahrheit und Fiktion" zusehends vergrößert.
"Dennoch gibt es Augenblicke, wo sich die Kluft wieder ein wenig schließt und Mitarbeiter - wie Bond - die Gewissheit einer anregenden und lohnenden Laufbahn im Dienste ihres Landes haben." Bond-Girls, für 007 Teil des Jobs, werden nirgends erwähnt.
(SZ vom 28.11.2007/gal)
Diesen Beitrag haben wir gebraucht. Eine vage Beschreibung der Rekrutierungsaktivitäten des englischen Geheimdienstes in einer deutschen Tageszeitung. Man könnte glauben, die Süddeutsche bekommt eine Vermittlungsprovision im Erfolgsfall. Bravo!
Mal im Ernst:
Es wird immer mehr deutlich, welchen Kurs die Regierungen verfolgen und wie sich deren Erfüllungsgehilfen - allen voran die Geheimdienste - ausrichten: ähnlich einer Pflanze, die ihre Blätter auch immer in die Sonne dreht.
Traurig dabei ist, dass man es in der Tat - das geht sehr deutlich hervor - auf die sog. "ethnischen Minderheiten" abgesehen hat. Warum? Weil die nicht christlich sind, nicht englisch und Werte leben, die wir mit unseren Vorstellungen von Moral, Anstand und Ethik nicht in Einklang bringen können oder wollen. Dabei wäre es wichtig, gerade wenn man etwas nicht versteht, zu fragen und Interesse zu zeigen und so möglicherweise doch Gemeinsamkeiten zu finden. Solange nicht Gesetze verletzt werden, sollte man sich vielleicht auch - wenn auch Akzeptanz oder Verständnis im Einzelfall nicht möglich sein sollte - doch zumindest Respekt zeigen. So viel Respekt, dass man Menschen anderer Hautfarbe, anderer Glaubensrichtungen oder anderer Kulturen nicht weniger gut oder schlecht behandelt, wie die Menschen der eigenen Hautfarbe, Religion oder Kultur.
Da das aber nicht verstanden wurde, sondern im Fremden die Bedrohung gesehen wird, weil man sich nicht auf das Fremde einlässt, muss man das Fremde als "böse" oder "bedrohlich" einstufen und Maßnahmen ergreifen, um diese "Bedrohung" zu neutralisieren und abzuwehren.
Die Konsequenz daraus ist aber immer eine Ausgrenzung, eine Abdrängung mit Begriffen wie "ethinische Minderheit" und das Schüren von Angst und Misstrauen.
Letztlich sollte man sich auch vor Augen halten, dass die englische Regierung und damit auch der englische Geheimdienst ganz wesentlichen Anteil an den illegalen Kriegen der USA haben, die ja ganz offen unterstützt und befürwortet worden sind.
Ich für meinen Teil würde für einen solchen "Arbeitgeber" niemals arbeiten wollen. So viel Geld können die nicht bezahlen, dass ich meine Ehre und meinen Anstand dafür verrate.
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