Russischer Geheimdienst FSB Russlands Nachwuchs-Geheimagenten blamieren sich im Netz

Abschlussfeier der besonderen Art: Mit einem Autokorso brausten Absolventen der russischen FSB-Akademie durch Moskau.

(Foto: Youtube/Film Life Cinema)

Deppen vom Dienst: Absolventen der FSB-Akademie fahren im Autokorso durch Moskau und filmen sich dabei. Das Netz spottet, die Vorgesetzten schäumen.

Von Julian Hans, Moskau

Auf den Revolutionär Felix Dserschinski geht die Regel zurück, ein richtiger Tschekist brauche vor allem "einen kühlen Kopf, ein heißes Herz und saubere Hände". Seit der "eiserne Felix" nach der Revolution 1917 freilich die Geheimpolizei Tscheka gründete, hatten ihre Agenten Blut an den Händen, Dserschinski eingeschlossen. Dass sie ihrem Handwerk von Bespitzelung, Folter und Massenmord mit kühlem Kopf nachgingen, macht die Sache eher noch grausamer.

Zwar sieht sich der russische Inlandsgeheimdienst und KGB-Nachfolger FSB bis heute ungebrochen in der Tradition seiner Vorgänger-Organisationen, mit den Tugenden Dserschinskis scheint es die junge Generation aber nicht mehr ganz so eng zu sehen. Vielleicht lag es auch am Moskauer Sommer, dass bei einer Gruppe von Absolventen der FSB-Akademie die heißen Herzen über die kühlen Köpfe siegten und sie am Wochenende im Autokorso durch die russische Hauptstadt brausten. Das wäre noch halb so schlimm gewesen, hätten sie sich bei ihrer Parade aus 30 schwarzen Mercedes-Geländewagen nicht filmen lassen und die Aufnahmen ins Internet gestellt. Dort kann die ganze Welt sich die nun nicht mehr ganz so geheimen Geheimdienstler anschauen, wie sie von einer Aussichtsplattform über der Stadt in die Kamera winken. Eine Liste mit den Namen der Absolventen kursiere ebenfalls, berichteten russische Medien.

"Das ist Verrat an den Interessen des Dienstes"

Während sich im Internet Spott über die tölpelhaften Selbstdarsteller ausgoss, verbreiteten die Sicherheitsorgane wütende Kommentare. Ob es mit einer Ordnungswidrigkeit getan sei oder ob die Männer nicht eine härtere Strafe verdient hätten, fragte der Sprecher des russischen Ermittlungskomitees, Wladimir Markin. Alexander Michailow, General der Reserve des FSB, erkannte in dem öffentlichen Auftritt der Geheimen gar Landesverrat und forderte, jeden Zweiten zu entlassen: "Das ist Verrat an den Interessen des Dienstes. Niemand weiß, wo diese Bengel mal eingesetzt werden. Wie kann man Fotos von jemandem ins Netz stellen, der praktisch schon Mitarbeiter des FSB ist?"

Die Beschuldigten zeigten sich wenig beeindruckt von der Rüge des Generals: Der habe ja noch nicht einmal die FSB-Akademie besucht, sondern nur eine gewöhnliche Universität, ließen sie ihn per Radio-Interview wissen. Außerdem hätten sie sich doch an die Verkehrsregeln gehalten. Die 30 schwarz glänzenden G-Klasse Mercedes hätten ihnen übrigens Vorgesetzte zur Verfügung gestellt - ein kleiner Hinweis auf gute Verbindungen nach oben.

Der Vorfall wirft ein Licht auf das Selbstverständnis der Beamten in den russischen Sicherheitsorganen. Im Jahr 2000 hatte der damalige FSB-Chef Nikolai Patruschew geschwärmt, seine Mitarbeiter täten ihre Arbeit nicht für Geld: "Was sie verbindet, ist ihr Verständnis zu dienen. Sie sind, wenn man so will, unser neuer Adel."

Im Volk gelten die Staatsorgane als mächtig und korrupt. Gleichzeitig nennen russische Jugendliche sie bei Umfragen nach dem Wunscharbeitgeber an erster Stelle. Und wenn man zum neuen Adel gehört, möchte man das natürlich auch gern zeigen.

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