Gefangenenaustausch in Nahost Abmachung eingehalten

Der Austausch des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit gegen insgesamt 1027 palästinensische Gefangene war ein Kraftakt für beide Seiten, und Ruhe wird deshalb wohl nicht einkehren. Allerdings hat die Aktion auch Chancen eröffnet.

Ein Kommentar von Peter Münch

Der Handel ist vollzogen, doch Ruhe wird kaum einkehren. Denn der Austausch des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit gegen insgesamt 1027 palästinensische Gefangene war ein Kraftakt für beide Seiten. Dabei ist manche Rechnung offengeblieben - und das kann noch gefährlich werden. Israel wird nach dieser Schmach noch weniger als früher bereit sein, Provokationen der Hamas zu dulden. Ein neuer Krieg um Gaza könnte wieder ein Stück näher gerückt sein. Zum anderen aber hat dieser Austausch auch neue Optionen eröffnet, die Chancen bieten auf bessere Zeiten.

Positiv zu vermerken ist zunächst, dass sich beide Seiten trotz ihrer innigen Feindschaft bis zum Schluss an alle Details der Abmachung gehalten haben. Selbst das Raketenfeuer der vergangenen Wochen aus dem Gaza-Streifen hat nichts daran geändert, dass nach den 477 Gefangenen vor zwei Monaten nun weitere 550 palästinensische Häftlinge freikommen. Als Garantiemacht hat sich dabei Ägypten profiliert - und in Kairo liegt auch der Schlüssel für weitere Fortschritte.

Ägypten kann die Brücken bauen, auf denen sich die nahöstlichen Erzfeinde begegnen. Für eine künftige Regierung unter Beteiligung der Muslimbrüder gilt das sogar noch mehr als für die jetzige Führung am Gängelband der Generäle. Denn an der Macht müssen die ägyptischen Islamisten pragmatisch sein, und dies wird unweigerlich abfärben auf ihre Hintersassen bei der Hamas in Gaza. Von der Terror-Organisation bis zum akzeptierten Verhandlungspartner ist es gewiss noch ein weiter Weg. Aber es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass sich zumindest Teile der Hamas inzwischen auf diesen Weg gemacht haben.